Alle Jahre wieder kommt das Ende schneller, als man denkt. Der Weihnachtstrubel beginnt mit dem 1. Advent und es bleibt zwischen Betriebsfeier, Vereinssitzungen und Geschenke kaufen nicht mehr viel Zeit, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ja, natürlich sind Familie und Weihnachten das Wesentliche, aber nicht zu unterschätzen ist auch das zu Ende gehende Fiskaljahr.

Damit werden die Freistellungsaufträge auf Depot und Bank wieder auf Null gesetzt, die Verluste der letzten Jahre automatisch ins neue Jahr getragen, und die Arbeit für die Steuererklärung kann beginnen. Es wird Zeit, Bilanz zu ziehen, um festzustellen, wie erfolgreich das eigene Investieren war. Hier aber verrate ich euch vor Jahresende noch schnell einen Steuertrick, der vor allem Fundamentalinvestoren zu Gute kommt und absolut legal ist!

Jedem Steuerzahler stehen im Jahr 801 €, jedem Ehepaar 1602 € Sparerpauschbetrag zu, der meist über die Einrichtung eines Freistellungsauftrages direkt bei der Bank automatisch mit den erwirtschafteten Gewinnen verrechnet wird. Jeder Euro des über den Sparerpauschbetrag hinaus gehenden Gewinns muss schließlich mit der Abgeltungssteuer von 25% zuzüglich Sozialabgaben versteuert werden.

Der Buy & Hold – Stratege zahlt zu viele Steuern, wenn er nicht handelt

Das Gesetz regelt, dass anfallende Verluste mittels Verlustverrechnungstopf ins nächste Jahr getragen werden, um diese mit dann eventuell anfallenden Gewinnen zu verrechnen, und erst im Nachhinein den Sparerpauschbetrag zu leeren. Was aber, wenn in diesem Jahr durch die “Buy & Hold”-Strategie lediglich Gewinne angefallen sind, während die Verluste nur rechnerisch bleiben und durch das Halten nicht realisiert werden? Dann stehen für dieses Fiskaljahr den Gewinnen keine Verluste zur Verrechnung gegenüber, obwohl es Verluste gab!

Durch das gut gehende letzte Jahr hatte ich zu Beginn des Jahres sehr viele Gewinne, die meinen Sparerfreibetrag bereits komplett ausgeschöpft haben und weit darüber hinaus gingen. Diese Gewinne können mit evtl. anfallenden Verlusten im kommenden Jahr nicht mehr verrechnet werden – weil es lediglich einen Verlustverrechnungstopf gibt, aber keine Übernahme der Gewinne ins nächste Jahr. Als langfristiger Fundamentalinvestor habe ich aber natürlich auch noch einige Aktien in meinem Depot – besonders beim diesjährigen Aktienjahr – die bei einem jetzigen Verkauf Verluste verursachen würden und demnach auf meine Gewinne anrechenbar wären. Weil ich aber davon überzeugt bin, in die richtige Anlage investiert zu haben, möchte ich sie eigentlich nicht verkaufen, sondern vielmehr langfristig halten.

Aktien verkaufen, Verlust einfahren, Aktie gleich danach wieder kaufen –> Gewinne steuerlich minimieren

Es ist aber rechtmäßig, wenn ich meine Verluste in diesem Jahr durch den Verkauf der im Minus stehenden Aktien realisiere und sie direkt am gleichen Tag oder auch unmittelbar nach dem Verkauf wieder einkaufe, um sie weiter im Portfolio zu haben. Dabei entstehen im Vergleich zur Steuerersparnis nur sehr geringe Transaktionskosten und eine kleine Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis. Es werden aber alle nun tatsächlich realisierten Verluste mit meinen sonst abgeltungssteuerpflichtigen Gewinnen verrechnet und ich erhalte eine hohe Steuerrückerstattung von der Bank überwiesen.

Lieber jetzt vor dem Weihnachtsstress handeln!
Noch mehr Geld, das ich wieder reinvestieren kann: In Aktien und Weihnachtsgeschenke!

euer Florian

Übrigens, auch wenn Ihr erst am Anfang eurer Erfahrung mit der Geldanlage steht und den Sparerfreibetrag noch nicht ausschöpft, lassen sich Steuern sparen. Wenn Ihr den Pauschbetrag jetzt nicht ausschöpft, wird er für immer verloren sein. Wenn noch ein paar Aktien mit noch nicht realisierten Gewinnen im Portfolio liegen, ist es möglich, diese einfach zu verkaufen, die Gewinne zu realisieren und direkt danach dieselben Aktien wieder einzukaufen. Damit wird der Freibetrag ausgeschöpft, es fallen lediglich die Transaktionsgebühren an, und dem Staat ist nichts geschenkt.

//Der Artikel erschien bereits im letzten Jahr…ist aber immer noch toll.