Das neue Jahr fängt an den Börsen nicht gerade erfreulich an. Vor allem die chinesischen Handelsunterbrechungen haben massive Auswirkungen auch auf die westlichen Märkte. Für mich als Fundamentalinvestor ist jetzt die Zeit des Nachkaufens gekommen – eine Zeit, in der ich auch Aktientipps und Ideen von Freunden berücksichtige und umsetze, wenn sie in meine persönliche Strategie passen.

Im Laufe der letzten Monate habe ich mir mehrere Aktientipps aus der Aktienfreunde-Community, aus verschiedenen Onlinequellen und aus meinem persönlichen Freundeskreis notiert und auf die langfristige Beobachtungsliste gesetzt. Wenn in den Medien von dramatischen Kurseinbrüchen berichtet oder Gewinnwarnungen formuliert wurden, habe ich immer schnell zum Notizbuch gegriffen. Da ich in meinen Blogartikeln grundsätzlich keine Einzelwerte anspreche, will ich nur kurz zusammenfassen, wie wichtig es ist, die Aktientipps zu sortieren und vor allem selbst über mögliche Investitionen nachzudenken, anstatt einfach irgendwelchen Tippgebern zu folgen.

Vermeintlich Trends, die du noch nicht kennst, sind keine Tipps!

Erst im Herbst ist mir bei einer ziemlich obskuren Stadtführung durch New York City wieder aufgefallen, wie schnell Aktientipps fruchten und selbst wildfremden Menschen ohne jegliches Hinterfragen geglaubt wird. Dabei hat der Führer den neuen Biotrend der Lebensmittelbranche in den USA angesprochen und von ShakeShack – dem neuen Bio-McDonalds – geschwärmt. Dabei ging er aber soweit, die Aktie selbst anzusprechen und mit seinem Lob auch einen Investitionstipp zu verbinden. Bekannte von mir haben diese Handelsempfehlung tatsächlich umgesetzt – weil sie dachten, einen echten Geheimtipp eines Insiders erhalten zu haben. Doch nur weil ein deutscher Besucher in New York von einem Amerikaner zum ersten Mal von einer Neuheit hört – ist noch lange nicht gesagt, dass daraus irgendein Erfolg an der Börse entsteht. Die Aktie ist inzwischen um 20% gefallen.

Aktientipps ohne eigene Gedanken sind schon vorher verlorenes Geld

Wichtig bei Aktientipps ist immer: Ruhe bewahren – Beine hochlegen – und nachdenken. Wer seine eigenen Emotionen nicht unter Kontrolle hat, ist mit Aktientipps von vermeintlichen Insidern oder befreundeten Tippgebern fast immer schlecht beraten. Auch Kostolany hat schon erzählt, dass selbst Finanzminister, die die politische Macht inne hatten, um ihre eigene Währung zu beeinflussen, als Insider gescheitert sind. Wer seine Investitionen nicht nachhaltig an einer eigenen Strategie – und sei sie noch so simpel – ausrichtet, wird mit dem blinden Folgen von Anderen Schiffbruch erleiden.

Selbst wertlose Tipps lassen Investoren ab und an über spannende Aktien stolpern

Tipps von Freunden, Besprechungen von Analysten, Medienberichte und vermeintlich exklusive Informationen im Nachrichtenticker nutze ich aber inzwischen überaus gern, um mir zusätzliche Informationen zu beschaffen und auf Aktien aufmerksam zu werden. Meist wird daraus aber immer ein Handel, der sich in genau entgegengesetzter Richtung entwickelt, als vom Tippgeber vorhergesagt. Wenn wieder einmal eine Gewinnwarnung alle Analysten zum Verkaufen bringt, steige ich ein und freue mich so, günstig eingekauft zu haben. Die Tipps selbst sind meist wertlos, weil sie ohnehin nicht zu meiner Anlagestrategie passen – allerdings freue ich mich immer, bei anderen z.B. über Aktienfreunde ins Depot schauen zu können und so neue Investmentideen zu erhalten. Mehr als den Namen des Wertpapiers brauche ich dazu allerdings nicht: Schließlich beginne ich darauf aufbauend umgehend mit eigener Aktienrecherche.

euer Florian

 

Bild “Discarded Ideas” – under CC-License by Flickr-User Morten Skogly.