Warum handeln wir so oft irrational und müssen erst lernen uns zu disziplinieren um bei der Geldanlage nicht durch unsere spontanen Gefühlsausbrüche Geld zu verlieren? Keynes erklärte es mit den “Animal Spirits” im Menschen. Ein kleiner Blick in Finanztheorien und irrationale Märkte – denen wir nicht folgen sollten.

In der traditionellen neoklassischen Ökonomie ist der Homo oeconomicus die zentrale Basis der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie. Demnach entscheiden Menschen uneingeschränkt rational. In der Subprimeblase und der anschließenden Finanz- und Weltwirtschaftskrise stellte sich jedoch heraus, dass die bisherigen Theorien solche Rezessionen weder erklären noch vorhersagen können.

Zwar werden durch klassische und neoklassische Ansätze Zeiten hoher Arbeitslosigkeit mit Abweichungen vom klassischen Modell des freien Marktes begründet, finden aber keine Erklärung für die häufigen Schwankungen der Märkte. Die gängige Theorie sagt zwar aus, dass diese auf lange Sicht zu vernachlässigen sind, doch stellen sie die Menschen, die unmittelbar mit dieser Schwankung zu kämpfen haben auf eine harte Probe.

 

Auf lange Sicht sind wir alle tot

John Keynes berühmtes Zitat lautet: „Wahrscheinlich stimmt das auf lange Sicht […] Aber diese lange Sicht hilft nicht bei aktuellen Problemen. Auf lange Sicht sind wir alle tot.Rezessionen, sogar Depressionen und damit Finanz- und Wirtschaftskrisen sind die Ereignisse am tiefsten Punkt dieser Auf- und Abwärtsbewegungen. Die Finanzkrise ab dem Jahr 2007 war eine dieser Anomalien – mit deren Folgen wir immer noch zu Kämpfen haben.

Keynes war überzeugt, dass Märkte einer bestimmten Unbeständigkeit unterworfen sind, welche in der Natur des Menschen gründet. Der Wunsch des Menschen, spontan zu handeln, begründet Keynes mit den Animal Spirits. Diese Lebensgeister des Menschen sind es, die aus dem Wirtschaftssubjekt einen nicht vollständig rationalen und nutzenmaximierenden Agenten machen. Vielmehr entstehen plötzliche Anstöße zur Tätigkeit. Unternehmungen kommen nur zu Stande wenn mathematisch kalkulierte Entschlüsse durch den inneren Ansporn ergänzt werden. Der Mensch handelt schließlich in privaten, politischen und ökonomischen Angelegenheiten nicht allein auf Grundlage mathematisch berechneter Erwartungen. Oft wird die Abwägung der Handlungsmöglichkeiten ergänzt durch einen angeborenen inneren Drang: „berechnend wo möglich, aber oft nicht ohne Laune, Stimmungen oder Zufälle”.

 

Menschen sind leider meist nur zu menschlich

Animal Spirits führen zur eingeschränkten Rationalität von Menschen und sind die Ursache von spontanen Handlungen der Wirtschaftssubjekte geleitet durch Laune, Gefühl, Zufall, aber auch Ungeduld, Willensschwäche sowie Vertrauen. Auch Fairness, Gerechtigkeit, Reziprozität sowie Altruismus spielen für viele Menschen eine wichtige Rolle, genauso wie Vergeltung, Neid und Hass sowie Anonymität, welche schließlich zu Korruption und unmoralischem Verhalten führen, beeinflussen Wirtschaftssubjekte.

Erst wenn wir begriffen haben, dass wir nicht nur rational handeln und die eigenen “Animal Spirits” unter Kontrolle haben, ist es uns möglich Krisen zu verstehen und unser eigenes Handeln davon unabhängiger zu machen. Das ist wichtig um nicht mit allen Teilnehmern an der Börse in die selbe Richtung zu rennen und schließlich mit ihnen von der Klippe springen zu müssen.
Dazu folgende Buchempfehlung: George Akerlof und Robert Shiller – Animal Spirits. Wie Wirtschaft wirklich funktioniert.
euer Pari
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