Meine Schwierigkeiten an mein Geld zu kommen. Die künstliche und bürokratische Verknappung von Bargeld ist inzwischen unbemerkt Realität geworden. Die Ursache liegt in der systemimmanenten Angst der Bankhäuser und der Zentralbanken vor einer Bankpanik – dem krisentypischen Bank-Run.

Was hat die Menschheit auch immer für Sorgen um das liebe Geld. Das eine Mal hat man zu wenig, und wenn man zu viel hat, ist es auch nicht gut. Ich möchte euch hier einmal berichten, wie schwierig es im 21. Jahrhundert ist, tatsächlich an sein Geld heranzukommen – wenn man es denn wirklich will.

Überweisung kann Wochen dauern

Der Secondhand-Automarkt in den USA ist noch wirklicher Wilder Westen. Nirgends sonst wird so gefeilscht, betrogen und gelogen wie beim Autokauf. Als ich endlich einen teilweise glaubwürdigen Autohändler gefunden hatte, von dem ich ein Gefährt kaufen wollte, das mich die folgenden sechs Monate durch den amerikanischen Südwesten schippern sollte, musste ich sofort zuschlagen. Der Kaufvertrag galt 24 Stunden und in demselben Zeitraum hatte ich die 8000,- Dollar zu liefern, wollte ich verhindern, dass mir jemand den roten Chevrolet wegschnappte. In den USA ist das Überweisungssystem noch nicht normiert und geregelt wie in Europa, hier kann eine Überweisung aus dem Ausland Wochen dauern – mein Geld war aber natürlich noch in Deutschland auf dem Konto und musste irgendwie nach Arizona und in meine Hände gelangen.

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20$-Scheine für den Chevy im Sofa

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Der “erkämpfte” Chevy

Die Kreditkarte war leider keine Alternative. Das Anheben des Kreditrahmens auf 8000$ hätte nach Angaben der Postbank 3 Tage gedauert. Am Geldautomaten war natürlich nur pro Tag ca. 1000 $ abzuholen. Western Union Money Transfer ? – In der Tat eine Alternative, doch leider war aus “technischen” Gründen eine Geldüberweisung von Deutschland nach Arizona nicht möglich. Lebte ich hinter dem Mond? Nein, ich war in den USA im Jahr 2011 und die Geldbeschaffung stellte mich vor nie erwartete Herausforderungen. Ich klapperte anschließend ca. 20 Tankstellen-Geldautomaten ab, die alle nicht mit dem Internet verbunden waren – ein elementarer Umstand, denn so war es den Geldautomaten nicht möglich, herauszufinden, ob ich bereits mein Tagesbudget ausgeschöpft hatte oder nicht. Da diese  kurzfristige Kreditgewährung (bis zum nächsten Bankenclearing) der Automatenbetreiber seine Risiken hatte – war aus den Automaten maximal 500-600 $ zu holen. Und so fuhr ich mit dem Mietwagen von Tankstelle zu Tankstelle und sammelte stapelweise 20$-Banknoten, um endlich das Auto kaufen zu können.

Die Wartezeit auf das eigene Geld

Viel schockierender noch war es, als ich später, zurück in Deutschland, herausfand, wie lange meine hiesige Hausbank benötigte, um mir mein gewünschtes Bargeld zu liefern. Sind Sie sich bewusst, dass Geld vorbestellt werden muss, und man für größere Bargeldsummen mehrere Tage warten muss? Es ist wahrlich kein schönes Gefühl zu wissen, dass man zwar Geld besitzt – es im Zweifel aber außer Reichweite ist. Und als ich das Geld dann endlich auf dem Bankschalter liegen sah, wurde ich noch vom Angestellten gefragt, was ich denn damit vorhätte. Wie bitte? Jetzt muss ich nicht nur auf mein Geld tagelang warten, sondern auch noch Rechenschaft für meine Bargeldtransaktion ablegen? Solche Geschichten habe ich schon von vielen gehört. Ich glaube nicht, dass die Fragerei nicht nur der reinen Neugier des Mitarbeiters entsprang, sondern viel mehr zur Routine der Bank gehört – aus Angst vor zu vielen Kunden, die ihr Bargeld zurück haben wollen. Das Misstrauen in den Kunden – er könne mit dem Geld etwas Illegales vorhaben – spielt dabei sicherlich auch eine Rolle.

kein Bargeld über 1000€

Neulich beim Urlaub in Südtirol

In Italien ist es bereits so weit, dass man nur noch Beträge bis 1000€ in bar begleichen darf. Begründet wird dies mit dem Versuch, Korruption und illegalen Aktivitäten zu bekämpfen. Aber wird damit nicht bereits jeder als potentieller Straftäter eingestuft? Uns wird nicht mitgeteilt, worum es hier eigentlich geht: Dass es so für die Regierung im Falle von schwerer Krisen vorallem einfacher wird, auf das Geld der Bürger zuzugreifen.  Wenn alles elektronisch durchgeführt wird, kann das Geld auch auf Knopfdruck einbehalten werden. Der Bürger wird damit abhängig von allen Entscheidungen der Banken und Regierungen und macht sich erpressbar – er will ja wenigstens an den Rest seines Geldes wieder herankommen.

Banken haben Panik vor Bankpaniken

Die künstliche und bürokratische Verknappung von Bargeld ist inzwischen unbemerkt Realität geworden. Die Ursache liegt in der systemimmanenten Angst der Bankhäuser und der Zentralbanken vor einer Bankpanik – dem krisentypischen Bank-Run. Es ist allseits bekannt, dass Banken nicht alle Kunden auf einmal bedienen könnten – das ist das gesamte Geschäftskonzept der Banken – dafür gibt es Zinsen und Zinseszinsen von Kreditnehmern für Kreditgeber und Sparer. Da die Banken in den letzten Jahren aber so stark an Kapital verloren haben, dass sie bereits einen kleinen Ansturm von Sparern nicht überleben würden, wird der Zugang zu Bargeld mehr und mehr eingeschränkt. In Zypern wurden die Banken plötzlich geschlossen und bei der Wiedereröffnung hatte jeder Kunde 10% weniger auf dem Konto. So etwas ist nur möglich wenn Regierungen und Banken den Zugriff auf das Geld haben. Je mehr Plastikgeld, desto schneller kann den Menschen der Hahn zugedreht werden.

Geld stinkt tatsächlich, und zwar nicht im übertragenen Sinne, sondern eher dann, wenn man es zu lange im Tresor lagert und die Luftfeuchtigkeit die Inhaltsstoffe des Papiers modern lässt. Das wissen natürlich nur Wenige, schließlich lagern sie ihre kompletten liquiden Mittel auf der Bank für mickrige Zinsen. Ich empfehle stattdessen einen Monatsgehalt zu Hause aufzubewahren – und das Geld ab und zu zu wenden 🙂

euer Pari

Beitragsbild von Flickr-User dajmonpills unter Creative Commons License.