Wieder einmal aus den USA schwappt ein neues Finanzinstrument mit einer neuen Trading-Methode zu uns herüber. Die sogenannten Binären Option sind derivative Wetten auf beliebige Basiswerte wie Aktienkurse, Indizes, Rohstoffe und am beliebtesten Währungen, deren Ausgang nur zwei Möglichkeiten sind: Gewinn oder Verlust.

Der Ablauf einer Binären Option ist dabei recht simpel und macht es leicht mitzuspielen. Auf der Internetseite eines Anbieters oder auf der mobilen App wird der Realtimekurs des Basiswerts angezeigt. Nur zwei Knöpfe lassen den Spekulanten entweder kaufen (Long/Call) und auf steigende Werte wetten oder verkaufen (Short/Put) und auf sinkende Werte setzen. In der bereits zuvor festgelegten Zeit von einer Minute oder 30 Sekunden kann der Trader nicht mehr aus seinem Trade aussteigen. Nach Ablauf des Countdown zeigt sich ob die Wette gewonnen oder verloren wurde. Bei Verlust ist auch der zuvor festgelegte Einsatz (von 5€ über 25€ bis hin zu 200€ und noch mehr) komplett weg während bei Gewinn ein Prozentsatz des Einsatzes (z.B. 75%) dem Traderkonto gutgeschrieben wird. Der Name kommt natürlich von der entweder-oder-Auswahl.

Die Alarmglocken haben angefangen zu läuten

Spaßeshalber und weil ich früher auch mal kurzzeitig ein Zocker war habe ich mir die Angebote näher angeschaut. Beim Besuch der Seiten und beim Spielen mit dem Demoaccount haben bei mir alle Alarmglocken zu läuten begonnen – und sie hören nicht mehr auf zu läuten!
Ich kann jeden nur davor warnen zu glauben, dass hier die schnelle Mark zu machen ist. Die Angebote sind speziell angelegt auf Privatpersonen und locken deren Spielernatur – es handelt sich um nichts anderes als Wettspiele in einem Casino. Bekanntlich gewinnt im Casino langfristig immer nur die Bank – aber bei Binären Optionen so glaube ich inzwischen gewinnt sie immer. Die zwielichtigen Angebote im Graubereich der Off-The-Counter-Märkte, also abseits der geregelten und normierten Börsen, öffnen Betrügern Tür und Tor! Der naive (und arme) Zocker der sein Geld auf die Anbieterkonten überweist wird dabei sein Geld wahrscheinlich nie wieder sehen.

Ich könnte tausende Betrugsmaschen, Transparenzlücken und unfaire Praktiken aufzählen und beschreiben, die mir bereits in den ersten 10 Minuten aufgefallen sind – traurig ist nur dass es so viele gibt. Es bestand überhaupt nicht die Chance ein seriöses Angebot zu finden bei dem es fair zugeht und man tatsächlich die Möglichkeit hätte reich zu werden. Die meisten Seiten lagern das Geld der Kunden nicht einmal auf getrennten Konten – und ich habe von einigen gelesen bei denen das Einzahlen von Geld immer funktioniert die Auszahlung aber “leider defekt” ist.

screenshot_binaere_optionen_test

Wieder eine zufällige Störung

Schlechte Webseiten und falsche Kurse

Selbst wenn es ein Anbieter schafft, eine Wette anzubieten bei der real Geld gewonnen werden kann, so ist die Wahrscheinlichkeit des Geldverlustes immer deutlich höher als der Gewinn. Die meisten Anbieter zahlen 75% des eingesetzten Betrags bei Gewinn und verlangen aber 100% des Betrags bei Verlust! Nebenbei sind die Tradingsysteme über schlecht programmierte Webseiten oft unbedienbar, liefern falsche oder verzögerte Kurse und oder bringen “zufällig” eine Fehlermeldung wenn ein Trade in die richtige Richtung zu gehen scheint. Bei mir ist dann mehrmals die Verbindung unterbrochen worden oder der Trade auf Grund von “schnellen Marktbewegungen” abgebrochen worden. Ein absolutes Highlight war mein Trading-Demoversuch auf den Dollar-Euro-Kurs. Bei einem seriösen Anbieter von Realtimekursen habe ich den echten Währungskurs mitlaufen lassen – die meiste Zeit hatten die beiden Kurse NICHTS miteinander zu tun! Man könnte also auch gleich eine Münze werfen – nur da hätte man wenigstens eine 50%-ige Wahrscheinlichkeit.

Es dürfte Allen klar sein, dass bei diesem Instrument und neuen Hype vor allem sogenannte Handelssignal-Anbieter auf ihre Kosten kommen. Da die Charts auf den Seiten qualitativ so schlecht sind bleibt Tradern nichts anderes übrig als sich diese Tipps von scheinbar “erfolgreichen” Systemen einzukaufen. Die Anbieter übertreffen sich dabei in ihrer verrückten Werbung und in falschen Versprechungen. Übrigens braucht man nicht lange zu suchen um die verschiedenen Pseudogütesiegel und Scheinzertifizierungen auf den Seiten zu entdecken.

Wer also tatsächlich meint das versuchen zu müssen – bitte. Bevor das Geld aber einfach so vernichtet wird bitte ich um die Einzahlung auf mein Konto, da ist es besser aufgehoben 🙂

euer Florian

Bild von Flickr-Nutzer Tim Murphy under CC-Licence