Nach einer Schreibpause haben mich die letzte EZB-Sitzung und der Beginn der Fußball-WM wieder aufgeschreckt. Es ist wieder die Zeit des Jubels und des guten Wetters, wenn die Politik ganz heimlich unangenehme Gesetze durchwinkt und das wählende Volk nichts mitbekommt. Mit einem Eiskaffee habe ich mir die neueste EZB-Sitzung angesehen – ich bin dabei eingeschlafen – es ist schließlich nichts Neues, dass die Welt am Tropf der Zentralbanken hängt. Die Sparer trifft es mal wieder hart – nur, wie würde es die Sparer treffen wenn das System zusammenbräche?

Ich bin sogar dazu geneigt der EZB zuzustimmen. Sie tut nichts Falsches, denn sie kann leider nichts Anderes tun. Unter normalen Umständen bin ich ein Freund einer leichten Inflation von 2% – wenn die Geldfluten, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, aber nicht mehr ausreichen, um die Wirtschaft tatsächlich wieder anzukurbeln – dann haben wir die japanischen Zustände bereits erreicht. Die EZB ist machtlos geworden – ein zahmer Tiger – der, im Stich gelassen von der Politik, nichts bezwecken kann. Da aufgrund des Anlagenotstandes die Aktienmärkte trotzdem boomen – hat die Politik kein Interesse mehr daran unliebsame Entscheidungen zu treffen. Vielleicht bleiben wir also diesen Sommer vor einschneidenden Maßnahmen verschont? Ich bezweifle es.

Die wahre Krise sieht man erst im Rückblick

Denn gerade jetzt wurde eine spannenden Nachricht vermeldet, die zeigt, wie nah Europa bereits am Rande des finanziellen Kollaps stand. Griechenland sah sich bereits zwei mal dazu gezwungen, seine Banken und Geldautomaten mit eingeflogenen Geldscheinen auszustatten, um einen Bank-Run und weitere Paniken zu verhindern. Natürlich ist mir bewusst, dass ein Bankensystem nicht immer alle Einlagen vor Ort haben kann – schließlich wäre sonst kein Gewinn möglich. Die Vorstellung, dass eine Bank alle Einlagen einfach nur in den Tresor legt, ist nett… aber leider naiv. Wenn einer Bank in Europa das Geld ausgeht und in der Folge den Bankrott erklärt, kann sie diese Schulden nur zu 3% mit ihrem Eigenkapital tilgen – das sind die Einlagen der Bankkunden.

In einer Bankpanik ist es zu spät

Neben der Nachricht an sich sorge ich mich vielmehr darum, inwieweit der gemeine Bürger von den Regierungen eigentlich im Dunkeln gelassen wird. Zur Zeit etwa, als bereits geheime Fliegerverbände den Euronotennachschub nach Athen geflogen haben, wurden wir in den Medien für dumm verkauft. Auch ich habe mir einen Bären aufbinden lassen und lediglich über das Gerücht gescherzt, dass keine griechischen Banknoten mehr angenommen werden. Hätte ich gewusst, wie nah der Euro am Abgrund steht – wäre es wahrscheinlich bereits zu spät gewesen, das eigene Kapital in Sicherheit zu bringen – die Banken wären einfach geschlossen worden.

Was jetzt? Fußball schauen!

Vielleicht also doch gut, dass wir es nicht wussten? Eine selbst-erfüllende Prophezeiung wäre die Folge gewesen und hätte, durch unsere Angst geschürt, erst recht zu einer Bankpanik geführt. Was aber hindert uns jetzt daran das Geld in Sicherheit zu bringen? Zinsen gibt es ja keine mehr dafür. Bei den derzeitigen Marktständen ist ein Teil meines Kapitals trotzdem noch in Aktien und Gold investiert – mit dem Rest überlege ich noch, was zu tun ist. Auf die Fußball-WM freue ich mich natürlich trotzdem – nur die Randnotizen in den Zeitungen lese ich jetzt intensiver.

euer Pari