Ein wesentliches Kriterium bei der Suche nach interessanten Aktien spielte auch für mich eine lange Zeit die regelmäßige Ausschüttung an Dividenden. Die teilweise Gewinnausschüttung an den Investor während des Aktienengagements hält nicht nur die Motivation aufrecht, sondern trägt oft wesentlich zur Rentabilität eines Investments bei.

Manche Investoren bauen sich daraus eine Strategie auf, nehmen sich die Ausschüttungsquote als ersten Maßstab zur Beurteilung eines Investments und setzen voll auf die Dividendenjagd. Dass Dividenden wichtig sind, leuchtet jedem ein. Auch der Vergleich des DAX mit seinem Kursindex (einmal mit und einmal ohne Dividende) verdeutlicht dies – aber die reine Fokussierung auf Dividenden kann sehr gefährlich sein!

Der Fokus auf Dividenden kann gefährlich sein

Zum Einen sagt eine hohe Dividendenrendite oft nichts über die Qualität des Unternehmens aus. Vor allem unbeliebte Wertpapiere werben so um Aktionäre. Auch der Preis der Aktie muss eine wichtige – wenn nicht sogar die wichtigste Rolle spielen. Wenn eine Aktie viel zu hoch über ihrem fundamentalen Wert gekauft wurde und der Einbruch zu einer Abwertung der Aktie auf den “inneren Preis” oder sogar darunter führt, ist die Dividende verglichen mit dem Kaufpreis nichts mehr wert.

Erst versteuern und dann wohin mit den Ausschüttungen?

Der große Nachteil des Dividendenjagens liegt auch in der Ausschüttung selbst begründet. Wohin mit dem Geld, wenn es  ausgeschüttet wird? Die Macht des Zinseszinses funktioniert nur bei Wiederanlage und nicht, wenn die Dividenden verkonsumiert oder auf dem Konto liegen gelassen werden. Jeder erneute Aktienkauf kostet allerdings Gebühren und lohnt sich nicht bei kleinen Mengen! Zunächst jedoch wird bei Auszahlung der Dividenden in Deutschland die Abgeltungsteuer abgezogen – ein enormer Brocken, der auf einen Schlag schwindet – bei ausländischen Unternehmen kommt die Quellensteuer und ihre Bürokratie hinzu.

Die Unternehmens-Cashcow generiert den wichtigen Zinseszins

Ich lobe mir daher Unternehmen, die ihre Gewinne für sich behalten. Ich habe mich für die Investition in das Unternehmen aus fundamentalen Gründen entschieden. Damit weist es ganz automatisch eine hohe interne Verzinsung auf – also eine interne Cashcow, die nicht leergemolken wird, sondern möglichst sinnvoll und lange Erträge erwirtschaftet. Das Unternehmen kann die Gewinne also besser und günstiger als ich selbst anlegen und reinvestieren, den Zinseszins generieren und mir diesen im Alter durch den entsprechenden höheren Verkaufspreis rückerstatten.

Die Dividenden sind also nicht alles, und spielen bei mir nur eine untergeordnete Rolle. Manchmal dienen sie nur als letztes Entscheidungskriterium zum Kauf. Mit Aktien ohne Dividenden in meinem Portfolio bin ich aber auch sehr zufrieden.

euer Florian