Als bereits Leid geplagter “Riester-Geschädigter” hatte ich bisher weitere Riesterverträge wegen ihrer Intransparenz und unplanbaren zukünftigen Kosten abgeschrieben. Jedoch bin ich bei fairr.de neugierig geworden ob das Team des StartUps es geschafft hat, seinen Claim “einen Fairen Riester” anbieten zu wollen, gerecht geworden ist. Ich habe mir das Kleingedruckte angeschaut und unter die Lupe genommen. Eine Vorstellung von aktienfreunde.net.


Bei fairr.de wird in der Ansparphase – die mindestens 12 Jahre dauern muss – Geld durch Einzahlungen vom Kunden und Förderungen des Staates in günstige Fonds angelegt, die je nach Alter der Kunden mehr in Aktien oder Anleihen investieren. Es handelt sich also um einen Riester-Fondssparplan unter staatlicher Riesterförderung, der zum Auszahlungszeitraum mit der Rente ausgezahlt wird.

Riester als gute Idee mit bisher schlechter Umsetzung, Fairr ändert das

Das große Problem, das bei vielen die Riesterrente in Verruf gebracht hat, liegt in der Intransparenz der Anbieter. Diese haben es geschafft, hohe Kosten und Gebühren, interne Provisionen und Regeln, gegen die Kunden durchzusetzen und aus der guten Idee des Gesetzgebers oft eine bittere Enttäuschung zu machen. Rendite und damit die eigentlichen Vorteile einer privaten Altersvorsorge bleiben dabei auf der Strecke. Gesetzliche Nachteile der Riesterrente, wie die Nachversteuerung beim Renteneintritt, mangelnde Übertragbarkeit des Kapitals auf andere oder das Problem nur mit Wohnsitz und Arbeit in Deutschland zu funktionieren, werden dabei dem StartUp natürlich nicht angelastet. Ohnehin bin ich der Meinung, dass jede Anlage Nachteile hat. Die Vorteile der Riesterrente, nämlich die Möglichkeit zur Ausnutzung von großen Steuerfreibeträgen, der Zuschuss zur privaten Vorsorge durch den Staat und der “Zwang” regelmäßig einzuzahlen und dieses Ziel auch konsequent weiterzuverfolgen machen aber vieles wett. Vor allem für Menschen mit weniger Finanzwissen und Zeit ist das Riestern eine gute Möglichkeit – denn die Alternative wäre, dass gar keine Altersvorsorge betrieben wird und das gesparte Geld verkonsumiert wird. Die heute unter 40-jährigen kommen an privater Vorsorge einfach nicht mehr vorbei.

Fairr.de hat es geschafft Licht in die Kostenstruktur zu bringen

Logo_fairr.de_RGBFairr.de legt im Gegensatz zu vielen Anbietern die Gebühren und Kosten offen dar. Mit ihren internen Provisionen, also enormen Kosten zu Beginn der Ansparphase, wurden bisher die Kunden um ihr Vermögen betrogen – Fairr.de verteilt die Gebühren auf die komplette Zeit der Kundenbeziehung und erhebt eine Maximalgebühr von jährlich 0,75% für Abschluss & Vertrieb sowie 0,75% Verwaltungsgebühren (+2,25€ monatlich) und maximal 0,9% innerer Fondskosten. Das bedeutet also bei einem unrealistischen Depotwert von unter 5000€ im Worst-Case maximal 2,4054 % p.a. Abzug vom Depotwert. Je älter man wird und je mehr man einbezahlt hat desto günstiger werden die Gebühren – und schon bald wird daraus 1,9% (ab 5000€) oder sogar 1,4% (ab 10.000€). Versteckte oder zusätzliche Kosten gibt es keine mehr. Derzeit liegen die Fondkosten zwischen 0,14-0,5 % und damit sogar noch deutlich unter der Obergrenze von 0,9%. Das sind tatsächlich sehr faire Preise für eine Geldanlage mit kostenlosen Umschichtungen und staatlicher Förderung der Beträge.

Ein Fondssparplan der auch tatsächlich in Aktien investiert

Die Intransparenz der Konkurrenz macht es schwierig die Preise zu vergleichen, aber selbst bei gleicher Höhe oder sogar höheren Kosten wäre mir die durchsichtige Kostengestaltung das wert. Ich habe heute noch Magenverstimmungen, wenn ich an meinen aufgelösten Riestervertrag denke und ich zum ersten Mal verstand wie viel Provisionen mein “Berater” abkassiert hat und wie die Gebühren vor allem am Anfang von den Einzahlungsbeträgen abgezogen wurden. Auch die alte Masche der ersten Fondssparpläne zur Sicherung der Anlagesumme (und damit der Mindestauszahlungsbeträge) das Geld unwiderruflich von renditeträchtigen Aktien auf niedrigverzinste Anleihen umzuschichten um das Bankenrisiko zu minimieren ist bei diesem Anbieter ausgeschlossen. Das regelt die für alle Kunden altersgerechte Verteilung zwischen Aktien und Anleihen.

Wer mit fairr riestert wird Kunde der Hamburger SutorBank und damit einem Institut unter deutscher Einlagensicherung – da gibt es nichts auszusetzen, vor allem wenn die Gebühren bereits in den oben aufgeführten enthalten sind. Schön hätte ich es noch gefunden, wenn die anfallenden Kosten der Auszahlungsphase, die durch die Rentenversicherung anfallen, benannt werden – diese werden aber erst zwei Jahre vor Beginn der Rente bekanntgegeben. Wahrscheinlich war hier die Kalkulation der externen Kosten schlichtweg zu risikoreich. Die “Dynamisierung” also eine mögliche jährliche Erhöhung der einzuzahlenden Beiträge ist eine gute Möglichkeit, die Vorsorge dem steigenden Einkommen anzupassen und noch mehr Kapital aufzubauen. Allerdings würde ich wenn ich mich um den Rest meines Vermögens selbst kümmere nur den Mindestbetrag mit Berechtigung zur maximalen staatlichen Riesterförderung anlegen – für alle “Zusatzzahlungen” brauche ich dann schließlich auch keine Gebühren zahlen. Diese Kritik von fairr.de gilt aber nur dem Privatanleger, der sich selbst um sein Geld kümmern will – dem faulen Sparer ist damit aber gut gedient.

Rundum tatsächlich ein Angebot, das auf dem Markt seines Gleichen sucht. Vertrieb über das Internet und inzwischen günstige ETFs und Fonds haben eine wettbewerbsfähige und staatlich geförderte Möglichkeit der privaten Altersvorsorge hervorgebracht, die sich durch ihre Transparenz von allem Bisherigen deutlich positiv abhebt. Wer noch nicht riestert kommt an fairr.de nicht vorbei, wer bereits riestert muss zunächst seinen bisherigen Vertrag studieren und untersuchen wie viele Gebühren bereits abkassiert wurden und ob sich ein Wechsel noch lohnt – denn die hohen Kosten entstehen bei den Anderen meist in den ersten Jahren.

euer Florian

Bilder von fairr.de