Die soeben begonnene Adventszeit nehmen wir gerne zum Anlass, den nachfolgenden Beitrag von Heiko Schönian zu veröffentlichen. Heiko ist Weltreisender, Hobbyfotograf und seit der ersten Stunde Teil der Rentablo-Community. André kennt ihn persönlich seit bald 20 Jahren. Heiko hat sich nach Reisen durch Indien und Vietnam zum Ziel gesetzt, dieses Bildungsprojekt zu unterstützen, da er vom Engagement der handelnden Personen fasziniert ist.

  • „Wieder einmal Verspätung und den Anschluss-Zug verpasst – typisch Deutsche Bahn!“ 🙁
  • „Morgens extra früh raus wegen Aldi-Aktion und dann alles schon vergriffen – hmpf!“ 🙁
  • „Wieder nur ein Tarifabschluss mit 2% mehr Lohn – unmöglich!“ 🙁
  • „Die Mietpreise steigen und steigen und es gibt nicht ausreichend bezahlbaren Wohnraum“ 🙁
  • „Die Studiengebühren sind zu hoch – das kann sich nicht jeder leisten!“ 🙁
  • „Erst die polnischen Erntehelfer nun zukünftig Flüchtlinge als Pflegekräfte – die nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“ 🙁 (Anmerkung: Arbeit, die anscheinend hierzulande keiner machen möchte)

Wir scheinen in einer Mecker-Gesellschaft zu leben; bzw. in einer Gesellschaft, in der viele nicht mit dem zufrieden sind, was sie haben oder dieses zumindest nicht genug zu schätzen wissen, da es ihnen eventuell nicht ausreichend bewusst ist. In letzter Zeit, insbesondere aber nach meiner erneuten Indien-Reise im Frühjahr diesen Jahres denke ich mir immer öfter: „Mensch, haben wir Probleme“.

Schicksalsgeschichten

Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle exemplarisch über Ravi und Kishan berichten, da mir Letzterer beim gemeinsamen Arztbesuch im Krankenhaus ständig am Hosenzipfel hing und ihre Geschichte mich zu tiefst berührte. Anton, einer der Volontäre, erzählte mir, dass die Familie gerade einmal auf 8 Quadratmetern lebe, in einer kleinen Hütte ohne Fenster. Matratzen zum Schlafen gab es keine; geschlafen wurde lediglich mit einer Decke auf dem Boden. Fließend Wasser? – Fehlanzeige! – Wasser wurde in Eimern von einem Brunnen geholt. Die beiden Kids kamen oft mit dreckiger Kleidung und hungrig zur Schule. Vom Verhalten her leicht aggressiv und unkonzentriert sowie Aufmerksamkeit suchend, so dass die Badi Asha School für die beiden einen wunderbaren Ort darstellte. Doch leider ist zwischenzeitlich ihr Vater an Krebs verstorben, so dass sie nun bei Verwandten auf dem Land leben und die Schule nicht mehr besuchen können.

Daher nun eine andere Schicksals-Geschichte. In Anlehnung an das Schluss-Plädoyer aus der John Grisham-Verfilmung „Die Jury“, möchte ich Euch dazu aufrufen, dass Ihr Euch vorstellt, dass Ihr Eure Augen geschlossen habt, während die nachfolgenden Zeilen Euch vorgetragen werden würden.

Alltag in Karlsruhe-Durlach

Karlsruhe-Durlach – ein freundliches aber bestimmendes „Henrike, Felix – Aufsteeeeeehnnnnnn“ hallt durch die beiden Kinderzimmer. Während sich die Kids nur kurze Zeit später für die Schule anziehen (für Felix (7) wurde von der Mutter eine Jeans und ein T-Shirt hingelegt; während Henrike (10) sich aus ihrem Kleiderschrank etwas Nettes raussuchte), bereitet die Mutter in der Küche bereits die geliebten Verpflegungspakete vor; einmal Leberwurstbrot und Schoko-Drink und einmal Apfel, Banane und Capri-Sonne. Nach ein paar Löffeln Müsli und einem Schluck Milch kann’s dann auch schon losgehen. Moderner Haushalt – Aufgabenteilung. Papi scharrt schon mit den Hufen, um die Kids auf dem Weg zur Arbeit noch mit dem Auto an der Schule abzusetzen.

Am frühen Nachmittag werden die beiden wieder von der Mutter abgeholt. Doch ehe es ans Spielen geht, steht noch gemeinsames Hausaufgaben machen auf dem Programm. Nach einer kurzen Spieleinheit geht es dann am frühen Abend für beide zum Sport; Kinderturnen und Leichtathletik sind angesagt. Umziehen, Rucksäcke packen und dieses Mal mit dem Fahrrad begleitet von der Mutter zur nahegelegenen Sportanlage. Nach einem langen und ereignisreichen Tag gibt es vor dem Schlafen gehen noch eine von Papa’s spannenden Abenteuergeschichten. Und dann heißt es „Licht aus, Augen zu…“. Henrike träumt noch von ihrem nahenden Geburtstag – einer Kinder-Party und vielen tollen Geschenken…

Zur selben Zeit in Varanasi in Nord-Indien

…zur selben Zeit in einem Armenviertel im nordindischen Varanasi. Shabnaz (5. Klasse), Rushkar (3. Klasse), Nakki (2. Klasse) und Faizan (Kindergarten) liegen dicht an dicht gemeinsam mit ihren Eltern auf dem Boden ihrer gerade einmal 6 Quadratmeter umfassenden Hütte. Mitten unter ihnen tummelt sich noch eine Baby-Ziege. Durch die Morgensonne geweckt, beginnt der Alltag der 6-köpfigen Familie. Die Kids legen ihre recht abgetragene Kleidung beiseite und ziehen sich die Schuluniform der Badi Asha School an. Während der Vater seiner täglichen Arbeit, dem Verkauf von Plastikflaschen, nachgeht, laufen die Kids gemeinsam zur Schule. Dabei haben sie einen Rucksack, den sie sich zu viert teilen, sowie ein paar Taschen der Badi Asha School. Nach einer morgendlichen Yoga-Einheit hinter der Schule, gibt es für alle Kinder im Laufe des Vormittag-Unterrichts in einer kleinen Pause noch Brot, Bananen und Wasser. Die Mutter indes sitzt zuhause und betreibt Handarbeit. Ihre Stickarbeiten verkauft sie, damit die Familie sich die monatliche Miete leisten kann.

Familie in Varanasi

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Schule, nehmen die Kinder noch an den Nachmittagsaktivitäten teil (Spiele, Musik, Nähen, Tanzen, Computer, Kunst, etc.), ehe sie wieder zurück nach Hause laufen. Ihren Lebensumständen entsprechend sind die Kids glücklich und außerordentlich clever…

Und nun bitte ich Euch darum, bevor die zuvor gedanklich geschlossenen Augen langsam wieder geöffnet werden, sich einmal vorzustellen, dass Eure Kinder eben nicht Henrike und Felix sind, sondern Shabnaz, Rushkar, Nakki und Faizan.

 

 

Bildung ist die beste Investition

Jedes Kind dieser Welt sollte ein Recht auf Bildung haben, egal an welchen Orten dieser Erde und in welchen Verhältnissen sie aufwachsen müssen!

Es naht die Weihnachtszeit, es naht die Spendenzeit. Viele von uns tun bereits Gutes, um unsere Erde ein stückweit besser zu gestalten. Ich möchte hiermit dazu animieren, über eine „Patenschaft“ für ein Kind der Badi Asha School nachzudenken. Da die Badi Asha School trotz der Unterstützung von durchschnittlich 2-3 Volontären ein sehr kleines Team hat, um sich um die rund 40 Kindergartenkinder und 95 Schulkinder zu kümmern, ist eine „Patenschaft“, wie man sie von Großorganisationen (bspw. Plan) kennt (individuelle Patenschaft für 1 Kind -> Briefe schreiben, Fotos austauschen) derzeit aus Kapazitätsgründen nicht machbar.

Allerdings wird nach Rücksprache mit der Schulleitung (Micha + Nicole) ein Verwendungsnachweis ausgestellt, welcher gewährleistet, dass die Gelder direkt der Versorgung der Kinder zukommt (= Schulkleidung, Mahlzeiten, Gesundheitliche Versorgung, Lehrkräfte, Bücher, etc.). Darüber hinaus gibt es für alle Spenden auch eine offizielle Spendenbescheinigung. Mit nur 25 Euro im Monat bzw. 300 Euro im Jahr ist all dies bereits für 1 Kind möglich. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn möglichst viele sich dazu entschließen würden, auf diesem Wege etwas Gutes zu tun, indem sie Kindern durch Bildung eine Chance auf eine bessere Zukunft geben.

Das Wichtigste nochmal in Kürze

Derzeit werden in der Badi Asha School 135 Kinder zwischen 3 und 14 Jahren aus den ärmsten Verhältnissen betreut. Der Kindergarten unterteilt sich in den „Lower Kindergarden“ (20 Kinder) und den „Upper Kindergarden“ (20 Kinder). An der Schule gibt es die Klassen A (27 Kinder), A+ (22 Kinder), B (19 Kinder), C (17 Kinder) und D (10 Kinder). Des Weiteren werden derzeit rund 30 ehemalige Schüler auf ihrem weiteren Bildungsweg nach Verlassen der Schule unterstützt. Unterrichtet werden die Kinder durch ausgebildete Lehrkräfte in den Fächern Englisch, Hindi, Mathe, Geschichte, Erdkunde und Naturwissenschaften. Darüber hinaus gibt es vor bzw. nach dem Schulunterricht Aktivitäten wie Yoga, Gartenanbau, Nähen, Musik, Kunst, Tanzen, Computer, sowie eine Nachhilfeklasse. Bücher in Hindi und Englisch stehen den Schülern in der kleinen Schulbibliothek zur Verfügung. Gestellt werden die Schulkleidung, sowie täglich 2 Mahlzeiten (Pausen-Snack am Vormittag sowie ein Mittagessen). Ebenso wird die gesundheitliche Versorgung sichergestellt. Lehrer/Volontäre gehen hier regelmäßig mit den betroffenen Kindern zu einem Arzt im nahegelegenen wohltätigen Krankenhaus.

Weitere Projektinfos unter:

Spenden an:

Learn For Life Deutschland e.V., IBAN: DE22 4306 0967 4013 4505 00 , Stichwort „Patenschaft“

Alternativ sind Spenden sind auch über die Plattform betterplace.org möglich:
https://www.betterplace.org/de/projects/36474-learn-for-life-badi-asha-grosse-hoffnung-schule-indien-varanasi

Da ich nun mittlerweile zweimal direkt vor Ort war und den direkten Kontakt zur Schule pflege, bin ich selbst verständlich auch dazu bereit, jegliche weitere Fragen zu beantworten bzw. beantworten zu lassen. Die Kontaktvermittlung kann über info@rentablo.de erfolgen.

Für uns ist es oft nur sehr schwer vorstellbar, wie diese Menschen aus den ärmsten Verhältnissen einen Alltag, ganz anders als dem unseren, derart meistern können. Ich kann nur jedem ans Herz legen, diese Lebenserfahrung durch Reisen einmal selbst zu machen, und durch den Blick über den Tellerrand hinaus zu begreifen, dass es weltweit sehr viel mehr Ungerechtigkeit und weitaus größere Probleme gibt, als nur diejenigen vor unserer eigenen Haustüre.

Heiko Schönian