Bei genauerem Hinsehen fällt mir auf, dass seit dem letzten Blogeintrag bereits ein Monat vergangen ist. Was habe ich nur mit der Zeit gemacht? Denn bei noch genauerem Hinsehen fällt mir auf, dass ich auch seit über einem Monat nicht mehr in mein Aktiendepot gesehen habe. Trotz der Freude an meinem Hobby habe ich das Portfolio schlichtweg vergessen – umso besser, denn in der Zwischenzeit hatte ich sehr viel “Value-Time” im Leben.

Es hat mich eine lange Trainingszeit gekostet, um mein Leben nicht nach den Kursen an der Börse und den Öffnungszeiten der Handelsplätze auszurichten – inzwischen weiß ich, dass Kostolany das falsche Gleichnis hatte.

Investieren darf kein Selbstzweck werden

Ursprüngliches und grundlegendes Ziel jedes Anlegers ist die Geldvermehrung oder mindestens der Werterhalt des eigenen Kapitals. Dies will der Investor aber nicht allein des Selbstzwecks wegen. Der Selbstzweck ist der Untergang in Gier, Burn-out und aufzehrendem Leben, ohne am Ende wirklich gelebt zu haben. Das eigentliche Ziel undauch mein persönliches, eigentliches Ziel ist die finanzielle Freiheit und die Unabhängigkeit von den Gitterstäben Nummer 1 auf dieser Welt – dem fehlenden Geld  und dem Schuldendienst.

Die Grautöne machen es spannend

Mit dieser finanziellen Freiheit verhält es sich nicht wie mit einem Gefängnis und der anschließenden Befreiung daraus. Nicht vieles im Leben ist schwarz und weiß ohne Grautöne. Es gibt sehr viele Ebenen dazwischen und es wäre schade, wenn man auf dem Weg zu diesem Ziel nicht jederzeit auch das Leben selbst auskostet. Dann bekommt man doch erst recht Lust darauf, das finanzielle Ziel zu erreichen, um damit noch vielmehr Träumen nachgehen zu können.

Hängematte statt Schlaftabletten

Hat man erst einmal seine Hausaufgaben im Bereich der Kapitalanlagen gemacht und weiß nun, wie man mit dem Geld umzugehen hat, ist es wichtig, dem anderen “Ich” wieder mehr Raum zu gewähren. Ein Vergleich mit Schlaftabletten hinkt, schließlich wäre es ein Schlaf ohne Gefühle und Emotionen. Die Abwesenheit der vollen Aufmerksamkeit auf die eigenen Finanzen sollte aber eher ein angenehmes Dösen in einer Hängematte sein mit dem unterschwelligen Gefühl der Sicherheit und dem Wissen um die eigene finanzielle Zukunft.

In der Zwischenzeit hat der Rest des menschlichen Daseins das volle Recht, glücklich zu sein und seine Freiheit auszukosten. Solange man das Ziel nicht aus den Augen verliert und ab und an aus dem Schlaf aufwacht und sich um die große Traumerfüllung kümmert ist alles bestens. Vor allem das neu angesparte Kapital bedarf nach dem Aufstehen der Aufmerksamkeit.

Cocktails nur mit Sonnenschirmchen

Für mich ist der Schlaf in der Hängematte übrigens noch viel angenehmer geworden, seit ich mein Portfolio auf Aktienfreunde verwalte. So leiste ich mir einen schönen Sommer mit Familie, Freunden und einem Cocktail mit Sonnenschirmchen. Daraus leite ich auch ab, in der Zukunft in diesem Blog ein bisschen mehr über das “Dolce Vita” zu schreiben.

P.S.: Kostolany war Spekulant und nicht Investor. Es sei ihm verziehen, dass er für alle langweiligen Nichtspekulanten nur die Schlaftabletten als Möglichkeit sah. Aus seiner Biographie lese ich, dass für ihn die Musik nur spielte, wenn die Märkte haussierten und seine Mitspekulanten ebenfalls glücklich waren. Wenn das Geld sprudelte ließ er mit anderen die Korken knallen. Als Investor versuche ich aber, schon bei erreichter Werterhaltung die Musik zum Tanzen zu hören.

euer Pari