Ich bin bei meinen Recherchen in der FinTech-Welt über das finnische StartUp Holvi gestolpert und habe mir das Ganze einmal aus unserer StartUp-Perspektive angeschaut. Holvi verspricht, als Finanz-Hub alle notwendigen Finanzdienstleistungen für Firmen online komplett abzudecken, und hat dabei keine Banklizenz, dafür aber viele Erleichterungen für den schnellen Business-Start.

Zusammengefasst ist Holvi ein Anbieter, der nach finnischem Recht, ohne Bank im Hintergrund, Finanztransaktionen wie Zahlungen und Überweisungen anbietet. Das geschieht alles ohne Filialnetz oder Bankkonten bei einer regulär registrierten und lizensierten Bank. Vor allem hat Holvi dabei junge Unternehmen, StartUps und kreative Künstler – also Makers und Doers – im Blick, die schnell und unkompliziert ihre Produkte anbieten wollen und keine Lust auf Buchhaltung und Bankenbürokratie haben.

Dem lästigen Papierkram beizukommen ist die Grundidee

Auch für Aktienfreunde habe ich Holvi unter die Lupe genommen und dabei sowohl Vorteile als auch gewichtige Nachteile erkannt. Den Stress und Aufwand, ein Geschäftskonto mit sämtlichen Zulassungen und Lizenzen einzurichten, kann ich nachvollziehen, vor allem wenn man bedenkt, dass wir jetzt noch keine Möglichkeit haben, einfach Rechnungen zu versenden, unsere Ausgaben zu managen und Zahlungen von Nutzern anzunehmen. Dazu müssten wir uns, sobald es soweit ist, erst einmal nach einem Drittanbieter umschauen. Hohe Kosten, Kompatibilität zu unserer Bank, Entwicklungsanpassungen an unsere IT und noch viele weitere Hürden sehe ich dabei schon auf uns zukommen.

Wenn man einfach nur produzieren und verkaufen will – ohne Bürokratie

Holvi will diese Hürden alle abbauen und für 0,90€ pro Transaktion oder Zahlungseingang sowie zusätzlichen 3% Kreditkartengebühren ein Onlineportal mit Shopintegration, Rechnungsservice und Bilanztools anbieten. Für kreative Produktverkäufer ist also in wenigen Minuten ein Onlineshop mit virtuellem Konto eingerichtet, das sogar die Rechnungen automatisch generiert und die Bilanz für das Unternehmen aufstellt. Aber gerade beim letzten Punkt kommen mir Zweifel und viele Fragen nach der Regulierung und der Konformität zu unseren Gesetzen in Deutschland.

Für kreative StartUps – ersetzt aber weder die Steuer noch die Bank

Den größten Aufwand hatten wir bei der Firmengründung mit den Anwälten, der Handelskammer und vor allem dem Finanzamt. Diese bürokratischen Unannehmlichkeiten kann aber auch Holvi niemandem ersparen – schließlich muss auch weiterhin ein Unternehmen ordnungsgemäß gegründet werden. Bei kleinen Personengesellschaften sieht’s da ein bisschen einfacher aus. Doch auch nach der Gründung ist es vor allem wichtig, dass die monatliche Vorsteuer mit Elster beim Finanzamt eingereicht wird – auch hier bezweifle ich, dass beim Start in Deutschland eine Schnittstelle geschaffen werden kann. Die Arbeit muss also trotzdem manuell erledigt werden. Ohnehin wird das Finanzamt auch weiterhin ein ordentliches Konto bei einer regulären Bank verlangen.

An der BAFIN -Regulierung wird sich Holvi wohl die Zähne ausbeißen

Für kleine Alleinunternehmer, die selbstgemachte Produkte in ihrer Garage fertigen, scheint mir das Konzept aber zu funktionieren. Wer zu Hause Strickprodukte kreiert oder Vogelhäuschen zimmert und diese im eigenen Onlineshop unkompliziert anbieten will, ist mit Holvi wahrscheinlich genau richtig. Dafür bietet die Seite auch eine schöne Oberfläche und spricht die kreativen Köpfe an. Ob die BAFIN bei dem ganzen Projekt mitmacht und das FinTech aus Finnland es schafft, in Deutschland trotz seiner mittelalterlichen Regulierung Fuß zu fassen, bleibt abzuwarten, ist dem jungen Team aber definitiv zu wünschen. Für alle größeren StartUps und Kapitalgesellschaften ist das Konzept von Holvi aber nicht ausreichend, und liefert, wenn überhaupt, nur eine Möglichkeit, Zahlungen online zu managen.

euer Florian

Artikelbild mit freundlicher Genehmigung von Holvi.