Ein Berliner StartUp der FinTech Branche zappelt nicht lange und möchte ein komplettes Girokonto anbieten, das sich in Innovation, Nutzung und Bequemlichkeit von den bisherigen Bankangeboten abhebt. Das digitale Konto einer deutschen Bank mitsamt dazugehöriger App, Website und kostenloser Kreditkarte und Kontoführung habe ich mir einmal angeschaut.

Anders als bisherige API-Lösungen, also Apps und Dienste von Drittanbietern die lediglich auf das Onlinebanking-Konto der eigenen Bank zugreifen und die Daten verarbeiten und schöner aufbereiten, funktioniert Number26 in Partnerschaft mit der Wirecard Bank und bietet den innovativen Mix  im Gesamtpaket an. N26_logo_blackDer Vorteil dabei ist also, dass alles aus einer Hand angeboten wird – die Zugangsdaten damit zwischen Bank und Kunden bleiben. Weil hinter dem Angebot eine Bank nach deutschen Richtlinien steckt ist auch das Onlinepayment sicher und bedarf keiner Geldübertragung über Fremdfirmen und ungesicherte Konten. Vorteile die einen guten Vorsprung gegenüber der Konkurrenz bringen.

Deutschland wann wirst du endlich modern?

Die beiliegende MasterCard-Kreditkarte erlaubt keinen Kredit, sondern funktioniert nur als Zahlungsmittel wenn genügend Geld vorhanden ist. Ich halte das entgegen anderer Kritiken für einen Vorteil, denn die Gefahr ins Schuldenloch zu geraten ist damit gebannt. Allerdings leidet das Angebot leider noch unter der deutschen Rückständigkeit in der Kartenakzeptanz. Vor allem wegen den in Deutschland hohen Kreditkartengebühren scheuen sich viele Anbieter davor etwas anderes als die Giropay- und EC-Karten zu akzeptieren. Wann werden wir endlich nicht mehr zwei Karten herumtragen müssen um überall kostenlos bezahlen und Geld abheben zu können?

Mit einem Wisch, das Konto im Griff

Anpsrechend und toll finde ich die Darstellung und Aufbereitung der Finanzen durch die App und die moderne Webseite. Wie bei Drittanbieter-Services wird hier ein modernes Haushaltsbuch gepflegt und hilft dem Nutzer durch viel Automatisierung und Kategorisierung. Das gefällt mir. Pushbenachrichtigungen informieren über jede Kontobewegung und binden das Konto in den schon zur Gewohnheit gewordenenen Nachrichtenstream aus Emails, Sozialen Netzwerken, SMS und Messengernachrichten ein. „Mit einem Wisch das Konto im Griff“ sozusagen. Per Mail oder SMS lassen sich Geldbeträge an Freunde und Bekannte senden – und da die Empfänger meist nicht Number26-Nutzer sind, gibt es einen Abhol-Link. Nach Eingabe einer Kontonummer wird das Geld aus der Wartestellung quasi auf das Zielkonto „gebeamt“. Das finde ich mal wirklich innovativ!

N26_Notifications_ScreenN26_Transactions_Screen

Number26 verdient derzeit nur mit den Kreditkartenprovisionen – da muss sich zukünftig noch etwas ändern um wirklich nachhaltig arbeiten zu könnne. Wie oben beschrieben sind es vor allem die Gebühren der Händler, welche die Kreditkartenakzeptanz so niedrig hält. Auch gibt’s derzeit keine Zinsen auf die Einlagen – bei der derzeitigen Zinsflaute in Deutschland ist das aber auch nicht überraschend.

Fazit: Gespannt auf weitere Innovationen

Soweit macht Number26 einen guten Start beim Aufbruch ins Zeitalter digitaler Konten, es muss aber noch einiges nachgeliefert werden um ein vollwertiges Konto anderer Banken zu ersetzen. Für EarlyAdopters und als Zweitkonto – es ist ja schließlich kostenlos – ist es sicher schon gut nutzbar. Besonders gefällt mir die Fokussierung auf mobile Lösungen und das bequeme Geld „beamen“.

Im FAQ macht das StartUp Hoffnung auf mehr, denn das Team will sich ganz nach den Kundenwünschen richten und ist sicher schon kräftig am Entwickeln und Werkeln. Ob sich Number26 gegen die Macht der API-Drittanbieter durchsetzt bleibt abzuwarten, schließlich haben die ein viel größeres Potential Kunden aller Banken zu bedienen und benötigen keinen Kontowechsel. Zumindest die Kontoeröffnung ist bei Number26 aber einfach und bequem mittels Videoauthentifizierung – quasi PostIdent mit Skype.

euer Florian

Bilder von Number26.