Es ist leicht in Börsenmagazinen oder den anderen Medien auf die absoluten Tops und Flops der Börse hingewiesen zu werden und es ist ein Leichtes über die derzeitig gehypten Aktien zu stolpern. Aber entgeht uns dabei nicht vor allem das Unternehmen außerhalb des Rampenlichts, das ordentlich wirtschaftet, regelmäßig Gewinne einfährt und weit und breit keine Skandale oder medientaugliche Geschichten auf Lager hat?

Grundsätzlich immer halte ich die Augen offen nach Unternehmen die ich spannend finde, denen ich aus persönlichem Interesse etwas abgewinnen kann und von denen ich bisher noch nichts gehört habe oder zu denen mir der Aktienkurs nicht noch aus der letzten “Telebörse” bekannt ist. Ich habe tatsächlich ein Hobby daraus entwickelt mir bei Autofahrten, Spaziergängen und im Alltag Marken und Firmennamen zu merken um anschließend zu überprüfen ob es sich um eine Aktiengesellschaft handelt. Dabei bin ich schon oft auf ruhige, unbekannte aber sehr seriöse und stabile Investments gekommen.

Informationsvorsprung gegen die Big Player gibt es nicht

Sind es nicht gerade diese Gesellschaften auf die man sich konzentrieren sollte? Wie schwierig ist es denn dem Markt und allen anderen Anlegern einen Schritt voraus zu sein und tatsächlich mehr zu wissen über ein Unternehmen wenn es sich z.B. um einen großen DAX-Wert handelt? Skandale, Gewinnwarnungen, neueste Innovationen und andere “Investor Relations” sind schneller in den Medienkanälen und Nachrichtentickern als wir menschlich überhaupt die Chance hätten darauf noch vor den Big Playern zu reagieren. Bei Smallcaps und mittelgroßen Börsennotierungen lichten sich ganz schnell die Reihen – und nur noch wenige kümmern sich um ihre Analyse und deren Geschäftsgrundlage.

Natürlich bedeuten weniger offen zugängliche Informationen über ein Unternehmen auch, dass man mehr Recherchearbeit hat um ein Unternehmen kennenzulernen. Aber statt von anderen Für und Wider vorgekaut zu bekommen, weiß man am Ende tatsächlich selbst ob die Firma zu einem passt und ob man das tatsächliche Geschäft wirklich verstanden hat. Nur wenn ein Investment verstanden wird und das Geschäft einer Firma einleuchtet und gewinnträchtig erscheint sollte auch investiert werden. Denn dann ist man immun gegen die ständigen Hochs und Tiefs der Stimmungsmacher – man kennt schließlich seine Firma.

Der Spaziergang fürs Depot

Eine Aktiensuche nach dem Muster “Spaziergang und Augen offenhalten” verstärkt diese Recherche nochmals. Haben Sie schon mal an einer Baustelle den Arbeiter zu seiner fachlichen Einschätzung über seinen Bagger von “Wacker Neuson” befragt? Ist der haltbarer oder leichter zu reparieren als die Maschine daneben von “Caterpillar”? Ist er zufrieden mit seiner Arbeit für “Bilfinger”? Das sind keine Insidertipps, aber guter Ausgangspunkt um mit einer Recherche zu beginnen. Schließlich sind am Ende doch nur die Firmen erfolgreich die vom Endkunden verstanden und geschätzt werden.

Viel Spaß beim nächsten Spaziergang. Gesünder als vor dem Trading-Desk zu sitzen ist es allemal!

euer Florian