Neues Buch: „Meine Bank wäscht grüner. Die Ökolügen der Finanzbranche“

Die DWS, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, wurde gerade von der US-Börsenaufsicht SEC zu einer Strafzahlung von 25 Millionen Dollar verurteilt. Die Entscheidung der SEC erfolgte aufgrund des Vorwurfs des “Greenwashings”. Dieses Vergehen bezieht sich auf unzureichende Geldwäschekontrollen und irreführende Angaben zu angeblich grünen Kapitalanlagen (mehr dazu bei Tagesschau.de).

Passend dazu ist Ende September ein Buch erschienen, dass sich mit Greenwashing bei Finanzprodukten beschäftigt, vor allem bei Fonds. Wir haben das Buch für Sie gelesen.

  • Titel: Meine Bank wäscht grüner. Die Ökolügen der Finanzbranche
  • Autor: Bernd Villhauer
  • Verlag: S. Hirzel Verlag GmbH, Stuttgart
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Seitenzahl: 170 Seiten

Zusammenfassung

Das Buch beschäftigt sich mit dem Phänomen des „Greenwashing“, also der irreführenden oder falschen Darstellung von Finanzprodukten als umweltfreundlich. Es gibt einen Überblick über die Geschichte und verschiedene Formen von Greenwashing und zeigt anschauliche Beispiele auf, wie unter anderem Fonds mit Greenwashing arbeiten.

Trotz des reißerischen Titels wirkt das Buch ausgewogen: Der Autor erwähnt unter anderem, dass Fonds auf die Öko-Informationen der Unternehmen angewiesen sind, in die sie investieren und bereits beim Unternehmen selbst mitunter geschummelt wird. Darüber hinaus stellt er klar, dass Greenwashing nicht per se illegal ist, sondern häufig eine Grauzone. Kritisch geht er auf ETFs ein und weist darauf hin, dass bislang nur mit aktiv gemanagten Fonds eine echte Nachhaltigkeitsauswahl möglich ist.

Der Autor diskutiert die ökonomischen und ethischen Fragen, die mit Greenwashing verbunden sind. Zentral ist die Frage, wie Greenwashing vermieden und echte Nachhaltigkeit gefördert werden kann. Weitere wichtige Themen sind die Rolle des Staates, des Marktes und der Verbraucher sowie die regulatorischen Bemühungen auf EU-Ebene. Der Autor gibt praktische Tipps für mehr finanzielle Souveränität der Anleger und zeigt Perspektiven auf für die Zukunft des Finanzsektors.

Greenwashing ist eigentlich ein gutes Zeichen – insofern, als schon durch sein bloßes Auftreten angezeigt wird, dass Umweltfreundlichkeit ein Verkaufsargument ist (Buch-Auszug).

Beispiele von Greenwashing im Buch

Im Buch werden mehrere konkrete Fälle von Greenwashing in der Finanzbranche behandelt, unter anderem:

  • Der Fall der DWS Group, bei dem laut Verdacht falsche Angaben zur Nachhaltigkeit von Finanzprodukten gemacht wurden.
  • Goldman Sachs, die einfach existierende Fonds umbenannt haben, um sie als „nachhaltig“ zu positionieren.
  • ETFs, die fälschlicherweise als besonders klimafreundliche Geldanlagen dargestellt werden.
  • Krypto-„Währungen“ wie Bitcoin, die trotz ihres hohen Energieverbrauchs mit Öko-Versprechen beworben werden.
  • Mit CO2-Zertifikaten werde oft Greenwashing betrieben, da die Kompensationseffekte zweifelhaft oder nicht nachgewiesen sind.

Die DWS hat laut Verdacht die Umweltverträglichkeit und CO2-Einsparung ihrer Fonds zu positiv dargestellt. Interne Analysen sollen gezeigt haben, dass ein kleinerer Anteil der Fonds tatsächlich ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) erfüllte, als nach außen kommuniziert. Die eigenen ESG-Bewertungsmethoden wurden angeblich intern als mangelhaft eingestuft, aber extern als besonders fortschrittlich vermarktet. Klimaziele wurden rhetorisch unterstützt, aber nicht in die tatsächliche Firmenpolitik übertragen. Ex-Mitarbeiterin Desiree Fixler, für Nachhaltigkeit zuständig, warnte früh vor diesem Greenwashing und wurde wenig später gefeuert.

Definition von „wirklich nachhaltig“

Das Buch gibt keine abschließende Definition, was genau „wirklich nachhaltig“ ist. Allerdings lassen sich einige Kriterien ableiten, die der Autor als Merkmale echter Nachhaltigkeit sieht: Sie müsse Teil der Geschäftsstrategie und des Geschäftsmodells sein, nicht nur Marketing. Es bedürfe glaubwürdige, unabhängig überprüfbare Standards und Siegel für Nachhaltigkeit. Anleger müssen umfassend über Ziele, Prozesse und Wirkungen informiert werden.

Insgesamt plädiert der Autor für einen umfassenden Nachhaltigkeitsbegriff, der ökologische und soziale Wirkung in den Vordergrund stellt, statt scheinbarer Maßnahmen.

ETF und Nachhaltigkeit

Laut dem Buch sind ETFs (Exchange Traded Funds) wegen ihrer besonderen Konstruktion nur begrenzt für eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie geeignet. Die wichtigsten Aussagen dazu:

ETFs wurden fälschlicherweise oft als besonders nachhaltige Geldanlage beworben. Eine wirkliche Nachhaltigkeitsstrategie erfordere aber die bewusste Auswahl von Titeln nach ESG-Kriterien. Da ETFs den Gesamtmarkt abbilden, können sie nicht zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Titeln unterscheiden. Nachhaltigkeits-orientierte Anleger sollten eher auf aktive Fonds setzen, die eine bewusste Auswahl treffen können. Der Autor betont, dass ETFs trotz vermeintlicher Transparenz und geringer Kosten oft Greenwashing-Potential bergen. Für eine wirksame Wirkungsethik seien sie nur bedingt geeignet.

Greenwashing vermeiden, das bedeutet vor allem: klare Sprachregelungen und verlässliche Standards. (Buch-Auszug).

Empfehlungen für Verbraucher

Das Buch gibt den folgenden Verbrauchern einige Empfehlungen im Umgang mit Greenwashing, unter anderem:

  • Seien Sie selbst ehrlich und fordern Sie Ehrlichkeit von Finanzdienstleistern.
  • Stellen Sie konkrete Fragen zu Nachhaltigkeitsaspekten und bestehen Sie auf klare Antworten.
  • Fragen Sie genau nach, was Begriffe wie „nachhaltig“ oder „ESG-konform“ konkret bedeuten.

Kritische Analyse des Buches

Das Buch, das sich einem aktuellen und relevanten Thema widmet, sticht durch seine kritische Analyse des Greenwashing im Finanzsektor hervor. Die anschaulichen und konkreten Beispiele für Greenwashing-Fälle liefern dabei fesselnde Einblicke. Zugleich bietet das Buch einen guten Überblick über die verschiedenen Formen von Greenwashing und dessen Geschichte im Finanzsektor. Sehr bereichernd ist auch der interdisziplinäre Ansatz des Autors: Er betrachtet das Thema sowohl aus ökonomischer als auch aus ethischer Perspektive. Zudem gibt er praktische Tipps, die den Lesern helfen sollen, mehr finanzielle Souveränität zu erlangen. Bemerkenswert ist dabei der grundsätzlich optimistische Blickwinkel des Autors: Er sieht Greenwashing als Chance für Lernprozesse.

Allerdings hat das Buch auch seine Schwächen. So sind einige komplexe Sachverhalte nur etwas oberflächlich dargestellt. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den teilweise moralisierenden Tonfall des Autors.  Manchmal driftet der Schreibstil auch in einen sensationsheischenden Ton ab. Trotz dieser Mängel liefert das Buch aber insgesamt eine wertvolle Auseinandersetzung mit dem Thema Greenwashing. Der Autor schlägt einen optimistischen Ton an, der Lust auf Veränderung macht. Insgesamt eine empfehlenswerte Einführung für alle, die sich über Greenwashing im Finanzbereich informieren möchten.

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