Coronavirus: Warum die Spekulation auf fallende Kurse selten lohnt

Put Optionen bieten cleveren Anlegern die Möglichkeit, schnell hohe Renditen zu erzielen – oder? Tatsächlich ist die Spekulation auf fallende Kurse, wie etwa wegen der Coronavirus-Panik, mit höheren Risiken behaftet als gemeinhin angenommen.

März 2020: Das Coronavirus hat weltweit die Börsen infiziert, die Kurse rauschen nach unten. Die Konjunkturaussichten verschlechtern sich drastisch. Viele Anleger wetten in solchen Situationen auf fallende Kurse, um schnell hohe Renditen zu erzielen. Für diese Spekulation auf fallende Kurse bieten sich Optionsscheine, sogenannte Put-Optionen an. Mit diesen Scheinen erwerbe ich das Recht, ein Wertpapier zu einem vorher festgelegten Preis am Markt zu platzieren. Fällt das Papier unter den festgelegten Preis erziele ich mit der Option schnell hohe Renditen.

3 Gründe, die gegen das Wetten auf fallende Kurse sprechen

So weit, so gut. Nur leider gehen in der Realität Wetten auf fallende Kurse nur selten auf. Dies hat mehrere Gründe. Psychologische wie eigene Selbstüberschätzung und technische wie Verfallsdatum und Chartverlauf.

1. Selbstüberschätzung

Es ist wieder mal ganz klar! Seit Monaten zeigen alle wichtigen Konjunkturindikatoren nach unten. Aber die Herde der ETF-Investoren an der Börse rennt immer noch von einem Hoch zum nächsten. Zeit dagegen zu wetten. Schließlich bin ich viel besser informiert als die meisten Anderen.
Das kann stimmen, aber auch nicht. Bei allen Projektionen und Indikatoren sollte man im Kopf behalten, dass dies eben nur Projektionen und Indikatoren sind. D.h. die vorausgesagten Ergebnisse haben nur eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit. Wir basieren unsere Schlussfolgerungen also immer auf potentiell falschen Informationen.

2. Fälligkeit bei Optionen

Bei einem Optionsgeschäft wird immer ein Zeitpunkt vereinbart, an dem die Option fällig wird. Nach diesem Zeitpunkt verfällt die Option wertlos. Dadurch reicht es nicht aus, einen Trend oder ein Ereignis korrekt vorherzusagen. Man muss auch noch den ZEITPUNKT des Ereignisses relativ genau treffen. Bleiben wir beim Beispiel der abflauenden Konjunktur. Nehmen wir an, wir hätten die Zeichen der Zeit tatsächlich richtig erkannt. Nehmen wir weiter an, die EZB interveniert nicht. Leider lief unsere Put-Option Ende Mai aus, der große Crash kommt aber erst im Juli. Dann haben wir unser eingesetztes Kapital vollständig verzockt, obwohl unsere Prognose eigentlich goldrichtig lag.

Mit einer Umschichtung in Cash oder Anleihen wären wir wesentlich besser gefahren und hätten nach dem Crash günstig gekauft.

3. Kurse fallen schnell und steigen langsam

Vor einer Wette auf fallende Kurse sollte man sich ein paar historische Charts anschauen. Schnell fällt auf, dass Kurse schnell und heftig fallen, sich dann aber eher langsam wieder erholen. Warum ist das so? Kurz gesagt aufgrund von Gier und Panik. Die Gier verhindert rechtzeitige Gewinnmitnahmen – und auf einmal regiert die Panik, die Anleger handeln irrational. Erschwerend kommt hinzu, dass Vertrauen sich langsam aufbaut aber schnell verspielt ist. Schlechte Nachrichten führen daher meist zu einem Crash, will heißen hohe Verluste innerhalb weniger Tage.

Und wo ist da Problem? Ich wette doch auf den Crash! Hier kommt wieder die Fälligkeit ins Spiel. Korrekturen spielen sich aufgrund der beschriebenen psychologischen Effekte nicht kontinuierlich, sondern plötzlich und in kurzen Zeiträumen ab. Wann der Crash kommt ist aber schwer vorherzusehen. Bei der US Immobilienblase dauerte es z.B. mehrere Jahre! Unsere Option hat aber leider ein festes Enddatum, oft nur wenige Wochen entfernt…

Beispiel Put Option und Crash
Beispiel: Dem Crash der Wirecard Aktie in 2014 folgt eine langsame Erholung. Die Anleger müssen erst wieder Vertrauen aufbauen. Bild: Rentablo Finanzmanager.

Wie Fondsmanager mit Put Optionen arbeiten

Aber: Verdienen Fondsmanager nicht ein Vermögen mit diesen Wetten? Nein. Fondsmanager verwenden Wetten auf fallende Kurse in erster Linie zur Absicherung. Die Option wirkt wie eine klassische Versicherung und stabilisiert das Portfolio auch in stürmischen Zeiten. Schwarze Schafe unter den Fondsmanagern kaufen gerne Put-Optionen und versuchen danach das Unternehmen zu diskreditieren. Geschehen ist dies der Wirecard AG. Hier löste ein angeblicher Bilanzskandal, berichtet von einer weithin unbekannten Ratingagentur, einen Kurssturz aus dem Nichts aus. Ein paar Short-Seller haben gut daran verdient.

Leider verfügen wir als Privatanleger nicht über Milliarden, um Kurse in eine für uns günstige Richtung zu treiben. Daher lassen wir von Wetten auf fallende Kurse lieber die Finger. Eher gönnen wir uns ab und an einen Abend im Casino.

Euer Wolfram

Lesetipp: Warum nach dem Crash vor dem Boom ist und wie Fondsanleger sich darauf vorbereiten sollten.

Photo by flickr-user wsilver under CC-License.

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0 Antworten

  1. „Geschehen ist dies der Wirecard AG. Hier löste ein angeblicher Bilanzskandal, berichtet von einer weithin unbekannten Ratingagentur, einen Kurssturz aus dem Nichts aus. Ein paar Short-Seller haben gut daran verdient.“

    Gekonnt hat hier die Gegenwart gezeigt, wie falsch der Autor lag.

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