Die Wirecard-Pleite

Wie es sich leider in diesen Tagen herausstellt, war ein Investment in Wirecard genau das Gegenteil eines guten Investments. Wir wünschen allen betroffenen Aktionären starke Nerven und hoffen, dass Sie – trotz der Schmerzen dieses Verlusts – beim Investieren dabei bleiben. Rückschläge gehören immer zur Börse dazu. Sie bieten eine Chance, das eigene Handeln zu hinterfragen, dazu zu lernen und besser zu werden. Rentablo bietet die passende Software um Risiken im Depot zu überwachen.

Was ist passiert?

Das Dax-Unternehmen Wirecard (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) hat am Donnerstag dieser Woche einen Insolvenzantrag gestellt, und zwar wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit.
Es fehlten plötzlich 1,9 Milliarden Euro, die eigentlich auf Treuhandkonten in Asien sein sollten, aber aus heutiger Sicht mit großer Wahrscheinlichkeit nur vorgetäuscht waren.

Die Aktie wurde fast wertlos. Sie stand am Freitag Nachmittag bei etwas über einem Euro – noch vor kurzem waren es 100 Euro, zu Bestzeiten waren es fast 200 Euro.

Trifft die Wirecard-Insolvenz das FinTech Rentablo?

Nein. Die Rentablo GmbH hat Wirecard weder als Dienstleister genutzt noch selbst in die Wertpapiere von Wirecard investiert.

Wie die Umsätze in unserem Portfoliomanager zeigen, haben sich Rentablo-Kunden aber in den vergangenen Tagen und Wochen sehr intensiv mit Wirecard beschäftigt. Deshalb wollen wir hier auf einige naheliegenden Fragen eingehen.

Wie sehr trifft die Wirecard-Insolvenz Investmentfonds?

Da es sich um einen Dax-Wert handelt, war die Wirecard-Aktie im Portfolio vieler Fonds, vor allem Fonds mit Schwerpunkt Deutschland und mit Schwerpunkt Finanzen. Bei Indexfonds (ETF) ist es zwangsläufig, dass Wirecard im Portfolio enthalten ist. Die Auswirkungen auf aktiv gemanagte Fonds sind vermutlich überschaubar, da diese bereits ihre Positionen stark reduziert oder komplett abgebaut hatten. Auf Wochensicht hat der DAX, Stand Freitag Nachmittag, weniger als ein Prozent verloren.

Kam die Insolvenz überraschend?

Die Insolvenz war sicher eine Überraschung. Aber seit langem rumorte es, bei Wirecard ginge nicht alles mit rechten Dingen zu. Die britische Zeitung „Financial Times“ (FT) hatte bereits in 2018 berichtet,  es könnte Manipulationen mit Scheinfirmen in Asien  geben.

Was bedeutet die Insolvenz für Kunden?

Wirecard ist einerseits als Zahlungsdienstleister für Geschäftskunden tätig, andererseits gibt es Bankdienstleistungen für Privatkunden. Die Wirecard Bank AG als Tochterunternehmen ist derzeit nicht direkt vom Insolvenzverfahrens der Wirecard AG betroffen, die Finanzaufsicht BaFin hat mittlerweile einen Sonderbeauftragten für die Bank eingesetzt.  Ende 2018 wurden laut Geschäftsbericht Spareinlagen in Höhe von 1,39 Milliarden Euro bei der Wirecard Bank verzeichnet.

Welche Auswirkungen auf den Handel denkbar sind, ist derzeit unklar. Aldi Süd teilte gestern mit, Kunden könnten weiter mit ihren Kreditkarten zahlen, ebenso ihre Aldi-Geschenkkarten einlösen, die Guthaben auf den Karten seien sicher und gedeckt. Bei dem Discounter Lidl verhält es sich gleichermaßen.

Was bedeutet die Insolvenz für Aktionäre?

Die Aktionäre (als auch die Anleihe-Gläubiger) werden sich mehr oder weniger auf einen Totalverlust einstellen müssen und können froh sein, dass sie zumindest kein Geld nachschießen müssen. Schadenersatzklagen gegen Verantwortliche sind denkbar, jedoch muss dann bei den Verantwortlichen wie Vorständen auch etwas zu holen sein – ansonsten hat der Aktionär zwar einen Anspruch, aber noch kein Geld. Auf Kapitalrecht spezialisierte Anwaltskanzleien prüfen auch Schadensersatzklagen gegen die Wirtschaftsprüfer EY und KPMG.

Denkbar sind zudem  Ansprüche gegen die Bundesrepublik Deutschland, und zwar aus Amtshaftung. Dies könnte der Fall sein, wenn die Finanzaufsicht BaFin bei der Aufsicht versagt haben sollte. Diskutiert wird das derzeit. So schaltete die EU-Kommission gestern die europäische Finanzaufsicht ESMA ein, um mögliche Versäumnisse zu prüfen. Bis 15. Juli soll ein vorläufiger Untersuchungsbericht vorliegen.

Ansprechpartner in Rechtsfragen:

Zwei empfehlenswerte auf Kapitalrecht spezialisierte Anwaltskanzleien sind:

Videointerview

Unser Kollege von valueDACH, Tilman Versch, hat den Fall Wirecard zusammen mit Baki Irmak (Digital Leaders Fund) & Daniel Bauer (Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger) in einem Video aufgearbeitet. In diesem Video diskutieren wir u.a. die Fragen:

  • Wie war das möglich? 
  • Was ist der Rest von Wirecard noch wert? 
  • Was hätte man früher sehen können?
  • Wie wurde Kritik an Wirecard behandelt?

Das Video soll dabei helfen einen großen Bogen um solche Unternehmen zu machen. Es bietet die Möglichkeit die eigene Checkliste für gute Investments zu verbessern. 

 

Wer von Wirecard jetzt noch nicht genug hat, findet hier zwei weiterführende Artikel:

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