Private Krankenversicherung: So viel verdient der Vertreter mit Provisionen

Mit den Provisionen der Lebensversicherung und wie man dabei sparen kann, begann die Rentablo-Serie zur Verbraucheraufklärung. Hier geht es nun um die Provisionen, die für private Krankenversicherungen gezahlt werden. Sie werden staunen, wenn Sie die Details kennen.

Bis zu 9 Monatsbeiträge als Provision in der PKV

In Deutschland zählt die Krankenversicherung zu den Pflichtversicherungen. Bundesbürger sind somit verpflichtet, sich entweder bei einer der gesetzlichen (GKV) oder privaten (PKV) Krankenkassen gegen das Risiko von Krankheiten und deren Folgen zu versichern. Speziell wer eine PKV abschließen möchte, sollte aber nicht nur ein Auge auf das Kleingedruckte haben, sondern auch auf die Provisionsinteressen des Vermittlers.

Grundsätzlich hängt die Berechnungsbasis für die Provisionen von den Monatsbeiträgen des Kunden ab. Üblich sind sechs bis neun Monatsbeiträge. Um bestimmte Tarife möglichst schnell zu verkaufen, wurden früher laut Branchenkennern sogar bis zu 18 Monatsbeiträge gezahlt. Einer der größten Profiteure des früheren Provisionswahnsinns war der Makler MEG mit Gründer Mehmet Göker in Kassel, der vor ein Jahren Pleite ging. In einem Zeitungsbericht hieß es:

Die Provisionen der Versicherungen waren unglaublich hoch. Sie betrugen das Acht-, Zehn- oder Zwölffache des abgeschlossenen Monatsbeitrages – mitunter lagen sie noch höher. Im Klartext: Kostete eine private Krankenversicherung etwa 500 Euro im Monat, flossen an die MEG Provisionen von 4000, 5000, 6000 oder mehr Euro – für einen einzigen Versicherungsvertrag. Diese Prämien waren so konstruiert, als bliebe der Kunde ein Leben lang bei der Versicherung.

Sehenswert dazu ein Film des Hessischen Rundfunks: System Grössenwahn – Mehmet Göker

Zulässig ist inzwischen nur noch eine Obergrenze von neun Monatsbeiträgen Provision. Für einen ordentlichen PKV-Vollversicherungs-Vertrag sollten 30-jährige Interessenten schon eine Monatsprämie von mindestens 300 Euro veranschlagen. Bei sechs Monatsbeiträgen käme der Vermittler dann immer noch auf eine Provision von 1.800 Euro. Bei neun Monatsbeiträgen wiederum würden sich im Beispiel sogar 2.700 Euro Provision ergeben. Entsprechend mehr wird es, wenn der Kunde eine höhere Prämie vereinbart.

Eine hohe Prämie für die Krankenversicherung erhöht die Provision

Es zeigt sich somit: Nicht nur die Zahl der Monatsbeiträge entscheiden am Ende über die Provision des Vermittlers. Auch die mit dem Kunden vereinbarten Prämie gibt den Ausschlag, wie hoch die Provision des Vermittlers ausfällt. Folglich hat dieser ein Interesse daran, einen eher teuren Vertrag zu vermitteln. Das muss zwar nicht automatisch zum Nachteil des Versicherungsnehmers sein. Denn in der Regel wird er dann auch mehr Leistung erwarten können.

Dennoch sollte man kritisch hinterfragen, ob man auch die für sich beste Variante angeboten bekommt. Ein Beispiel: Wer eine Selbstbeteiligung von 1.000 oder 1.200 Euro im Jahr vereinbart, spart je nach Alter und Tarif teils über 30 Prozent der Prämie im Vergleich zu 0 Euro Selbstbeteiligung. Da bei einer solch hohen Selbstbeteiligung oft gar keine Behandlungsrechnungen eingereicht werden, kommt zur Prämienersparnis je nach PKV im Folgejahr noch eine Prämienrückerstattung von mehreren Monaten hinzu, so dass der Kunde insgesamt sehr günstig versichert ist – ganz besonders in den Jahren, bei denen vielleicht gar keine Behandlungsrechnungen anfallen.

Eine günstige Krankenversicherung freut auch den Arbeitgeber

Ein Vermittler, der nur an die hohe Provision denkt, wird davon eher abraten. Etwa mit dem Argument, dass der Arbeitgeber bei einem Arbeitnehmer die Hälfte der Prämie trägt. Das stimmt zwar, aber ein Arbeitgeber, der einen günstig krankenversicherten Arbeitnehmer hat, legt möglicherweise einen Teil der eigenen Ersparnis auf das Gehalt drauf. Wer eine unabhängige Versicherungsvermittlung möchte, sollte sich an einen Honorarberater wenden – dieser ist frei von Provisionsanreizen und arbeitet stattdessen für ein Honorar. Zwar ist eine Beratung auf Honorarbasis auch nicht unbedingt kostengünstig. Aber wer sich langfristig privat krankenversichern möchte, sollte weitsichtig genug sein, das Geld hierfür auszulegen. Denn unterm Strich kann eine falsche Entscheidung auf lange Sicht deutlich teurer werden als die Beratungskosten.

Wichtig zu wissen: Eine Provisionserstattung (Cashback) wie sie Fondsdiscounter Rentablo für Abschlussprovisionen (Ausgabeaufschlage) und Bestandsprovisionen bei Investmentfonds vornimmt, ist bei Krankenversicherungen wie für Lebensversicherungen nicht zulässig, da der Gesetzgeber für alle Versicherungen vor allem auf Druck der Versicherungswirtschaft die Provisionsabgabe verboten hat.

Nächster Teil der Rentablo-Serie zum Thema Provisionen: Sachversicherungen

Kurz und Knapp

Wonach richtet sich die Höhe der Provisionen

Eine hohe Prämie für die Krankenversicherung erhöht die Provision. Es zeigt sich somit: Nicht nur die Zahl der Monatsbeiträge entscheiden am Ende über die Provision des Vermittlers. Auch die mit dem Kunden vereinbarten Prämie gibt den Ausschlag, wie hoch die Provision des Vermittlers ausfällt.

Wie viele Monatsbeiträge muss ich i.d.R. als Provision bezahlen?

Es fallen bis zu 9 Monatsbeiträge als Abschluss-Provision an. Dies ist sozusagen die Belohnung für den Vermittler für den Vertragsabschluss.
Speziell wer eine PKV abschließen möchte, sollte also nicht nur ein Auge auf das Kleingedruckte haben, sondern auch auf die Provisionsinteressen des Vermittlers.

Sind Krankenversicherungs-Provisionen begrenzt?

Ja – zulässig ist inzwischen nur noch eine Obergrenze von neun Monatsbeiträgen Provision. Für einen ordentlichen PKV-Vollversicherungs-Vertrag sollten 30-jährige Interessenten schon eine Monatsprämie von mindestens 300 Euro veranschlagen. Bei sechs Monatsbeiträgen käme der Vermittler dann immer noch auf eine Provision von 1.800 Euro. Bei neun Monatsbeiträgen wiederum würden sich im Beispiel sogar 2.700 Euro Provision ergeben. Entsprechend mehr wird es, wenn der Kunde eine höhere Prämie vereinbart.

 

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