China: Wohin steuert der Wirtschaftsriese?

Weniger Wachstum als erwartet, Pleitegerüchte um das Immobilienunternehmen Evergrande: China löste jüngst bei Anlegern Sorgen aus – nicht nur bei denen, die als Fondssparer etwa über Asienfonds vor Ort in China und Nachbarstaaten investieren, sondern auch bei jenen, die weltweit anlegen. Denn klar ist: Wenn der rote Wirtschaftsriese China schwächelt, hat das Folgen für Weltwirtchaft. In einem Gastbeitrag für den Rentablo-Blog beschäftigt sich die Vermögensverwaltungsgesellschaft Grüner Fisher Investments (GFI) mit den Perpektiven:

Das chinesische BIP-Wachstum verlangsamte sich im dritten Quartal auf 4,9 Prozent im Jahresvergleich. Die meisten Experten waren sich einig, dass die Probleme im Immobiliensektor mit Evergrande und die Elektrizitäts-Knappheit im September wirtschaftlichen Gegenwind geschaffen haben. Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments, weist darauf hin, dass diese negativen Effekte nicht von der Hand zu weisen sein, allerdings werde im Rahmen der Berichterstattung ein wichtiger und simpler Punkt ignoriert: „Die Wachstumsrate im dritten Quartal fügt sich exakt in den langfristigen Trend ein. Aus unserer Sicht sind diese Ergebnisse also ein Zeichen für die Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität vor COVID-19, kein plötzliches Signal für große Probleme der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt.“

Bisher sei das chinesische BIP auf einem guten Weg, das Gesamtjahresziel der Regierung von mindestens 6 Prozent zu erreichen, da es auf Sicht der ersten drei Quartale 9,8 Prozent über dem Vorjahr liege. „Offensichtlich spielt hier die Verzerrung durch COVID-19 eine Rolle,“ so Grüner. „Aber dem offiziellen Statistikamt (NBS) zufolge beträgt die Wachstumsrate über die letzten beiden Jahre hinweg 5,2 Prozent.“ Diese Zahl füge sich in den langfristigen Trend vor COVID-19 ein und passe ins Bild der verlangsamten Wachstumsraten, die in China seit Jahrzehnten zu beobachten sind – weg von den zweistelligen Wachstumsraten der Vergangenheit.

„Langsameres Wachstum ist jedoch kein Schrumpfen“

Die schlechte Stimmung konzentriere sich vor allem auf die Industrieproduktion und den Immobiliensektor. Erstere habe sich auf 3,1 Prozent im Jahresvergleich verlangsamt, die niedrigste Rate seit den Lockdowns im letzten Jahr. „Langsameres Wachstum ist jedoch kein Schrumpfen“, betont Grüner. Den Umständen entsprechend habe die Industrieproduktion getan, was sie konnte – mit der Stromknappheit als vorübergehendem Gegenwind. Die chinesische Regierung habe bereits mit Gegenmaßnahmen wie der Aufstockung der Kohleproduktion reagiert.

„Grundsätzlich ist es keine gute Idee, zu viel in die Daten einzelner Monate hineinzulesen,“ so Grüner. Dies gelte auch für die Immobiliendaten des Monats September: Die Hausverkäufe seien im Monatsvergleich um 16,9 Prozent zurückgegangen. „Angesichts der Unsicherheit rund um Evergrande und andere Immobilienentwickler sollte dies allerdings keine Überraschung sein,“ meint Grüner. Zudem seien die Banken von den Aufsichtsbehörden angewiesen worden, die Kreditvergabe an Bauträger und Hauskäufer zu beschränken. Diese Beschränkungen würden sich aber bereits wieder lockern. Außerdem würden die Zahlen der ersten drei Quartale belegen, dass der grundlegende Trend auch hier einem positiven Vorzeichen folgt – mit 17,8 Prozent mehr Hausverkäufen als in den ersten drei Quartalen 2020.

Auch wenn das verarbeitende Gewerbe in China noch eine größere Bedeutung besitze als in den entwickelten Industrieländern, würden Dienstleistungen mittlerweile 53,1 Prozent des chinesischen BIPs ausmachen. „Der offizielle Index für den Output der Dienstleistungen stieg im September um 5,2 Prozent im Jahresvergleich an,“ so Grüner. „Der fortgeführte Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft befähigt China also durchaus, an der zukunftsorientierten Dynamik teilzuhaben und industrielle Schwächen zu relativieren.“

Das Fazit Grüner Fisher Investments zu China

Chinas Wirtschaft sei nicht in perfekter Verfassung, was global betrachtet auch sehr verwunderlich wäre. „Alle Volkswirtschaften haben zu jeder Zeit Stärken und Schwächen,“ erläutert Grüner. „Chinas Schwächen bekommen derzeit die volle Aufmerksamkeit, und die stärkeren Komponenten helfen weiterhin dabei, dass China einen kräftigen Beitrag zum globalen BIP-Wachstum leistet. Ein gutes wirtschaftliches Umfeld für Aktien weltweit.“

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