FinTech-Vorstellung: Scalable.Capital – Erfahrung und Kritik

Motiviert von einem Einladungs-Code, den ich von der neuen Vermögensverwaltungs-Seite Scalable.Capital per Mail bekam, habe ich mir einmal den Robo-Adviser etwas genauer unter die Lupe genommen. Als FinTech Freund und Privatanleger freue ich mich immer besonders, neue Möglichkeiten der Geldanlage kennenzulernen und auszuprobieren. 

Schon lange habe ich aufgehört, Freunden oder Bekannten selbst Anlagetipps zu geben und Neueinsteiger stets mit ETFs und FinTechs wie Vaamo als einfache Alternative bekannt gemacht. Jetzt muss Scalable zeigen, ob es auch zum Investieren taugt oder ob man lieber die Finger davon lassen sollte.

Fullscale Robo-Verwalter mit viel Mandatspower

Statt als Vermittler tritt der Scalable Capital als lizenzierter Vermögensverwalter mit Kundenmandat auf, und managt damit das Vermögen seiner Nutzer auf dem Depot der Baader-Bank. Andere Robo-Advisor sind bisher nur als Vermittler aufgetreten und haben die Investitionswünsche ihrer Kunden an die Partnerbank weitergeleitet, statt sich selbst um eine Verwalterlizenz zu bemühen. Wahrscheinlich kann Scalable.Capital so vermeiden, mit Nutzern über die Umsetzung der Handelsstrategie streiten zu müssen muss den Nutzern auf diese Weise nicht zu viel von ihrem Handelssystem verraten. Dazu gleich mehr. Die fehlende Mitsprachemöglichkeit der Nutzer – das muss man dem Konzept zugutehalten – hilft der Strategie aber auch, wirklich aufzugehen. Dann muss der Vermögensverwalter keine Einzeldiskussionen mit den Kunden führen, und alle strategischen Entscheidungen können vollständig und konsequent umgesetzt werden.

Erst ab 10.000€ geht’s los – für viele ein K.O.-Kriterium

Mit einem Mindestanlagevolumen von 10.000 € schafft Scalable Capital eine höhere Einstiegshürde als alle mir bekannten Wettbewerber. Das schafft, so wie auch die Codes für den Zugang, ein Feeling der Exklusivität, welches zum professionellen Image beiträgt. Aus Sicht des Unternehmens sicherlich eine lohnende Entscheidung, wenn es ihm gelingt, genügend Nutzer um sich schart. Somit ist schon ab Nutzereinstieg mit der jährlichen All-Inclusive-Gebühr von 0,75% bei der vorgeschrieben Mindestanlage eine Jahresgebühr von 75 € verdient. Das ist für eine automatische Umsetzung von ETF-Käufen ein wettbewerbsfähiger Lohn.

Exklusiver Club mit Ex-Goldman Sachs Gründern

Das Startup wird von ehemaligen Goldman Sachs Mitarbeitern geführt und hat Anfang 2015 in einer ersten Finanzierungsrunde durch Business Angels 4 Mio. € bekommen. Jetzt – ein Jahr später – scheint es fertig entwickelt und für eine größere Anzahl an Kunden bereit zu sein. Das saubere Design und die schöne Landingpage vermitteln einen guten Eindruck und lassen auf fundierte Prozesse im Hintergrund schließen. Denn genau dort geht es um die Auswahl und Anlage von passenden ETF-Indexfonds für den Nutzer, nach der von ihm angegebenen Risikoneigung. Aus mehreren tausend ETFs stellt der Robo-Advisor dem Nutzer ein Portfolio aus Aktien, Anleihen, Immobilien-ETF und Rohstoff-Index zusammen und passt laut Homepage die Gewichtung regelmäßig an, um das „Value-at-Risk“ einzuhalten.

Value-at-Risk als Kennzahl für das Risikomanagement etwas kompliziert

Mit der Abfrage der Risikokategorie Value-at-Risk (VaR) in Form eines prozentualen Jahresverlustes, der mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit nicht überschritten werden darf, passt Scalable das Kapital regelmäßig an. Das heißt z.B. bei einem VaR von 12% und 5%-iger Eintrittswahrscheinlichkeit, wird der Kapitalverlust von 12% in 20 Jahren nur in einem Jahr (1/20 = 5%) überschritten. Wie die Nutzer aber zur Berechnung ihrer persönlichen VaR-Kennzahl kommen, erschließt sich mir aus der Homepage noch nicht. Ohne einen Fragenkatalog oder Hilfestellung finde ich es aus Sicht eines Neueinsteigers schon fast unmöglich, meine Risikoneigung in Form der VaR in einer Kennzahl festzulegen.

Anbieter lässt sich nicht in die Strategie-Karten schauen

Schwierig zu beurteilen finde ich die geheime Anlagestrategie und Berechnung der ETF-Zusammensetzung. Bei Wettbewerbern wie z.B. Vaamo ist das deutlich transparenter – weil bereits vorher angegeben wird, wie die Fonds im Depot gewichtet werden. Allerdings hat hier Scalable inzwischen nachgebessert, und auf der Homepage ein Whitepaper veröffentlicht, das mehr Informationen zur Strategie verspricht. Nach den Beschreibungen auf der Homepage könnte ich mir z.B. vorstellen, dass gerade durch die regelmäßige Anpassung der Depotzusammensetzung, in einer schlechten Marktlage bei einbrechenden Aktienmärkten, die Verluste aus Aktien durch eine Umschichtung realisiert werden und das Geld in Anleihen „festhängt“. Gerade bei niedrigen Einstiegskursen ginge dann der Robo-Advisor aus den renditeträchtigen Aktien raus statt rein: eine prozyklische Gefahr in der Strategie.

Für 0,75% Gebühren alles Inklusive

Zusammengefasst bietet Scalable.Capital ab 10.000 € eine automatisierte Depotverwaltung und investiert im Auftrag des Kunden. So werden der unveröffentlichten Strategie des Anbieters folgend, auf Basis der Kunden-Risikoneigungen in Form der Value-at-Risk-Kennzahl, verschiedene ETFs zu einem Festpreis von 0,75% jährlich in Depot bei der Baader-Bank angelegt. Neben dem schönen Designauftritt war eine Bewertung der Anlagestrategie aber leider nicht möglich.

Bitte schreibt mir, wenn ihr schon Erfahrungen mit dem FinTech gemacht habt!

euer Florian

10 Kommentare

  • Ich habe Scalable vom 29.11.2016 bis heute genutzt und nun alles gekündigt. Bei einer VaR Strategie von 20% hatte ich eine hohe Risikoneigung und daher zeitweise eine Aktiengewichtung von 78% im Depot. Obwohl die Märkte seit November letzten Jahres sehr gut performt hatten, hatte ich Stand letzten Freitag eine Rendite von 1,92%. Für mich ist das sehr enttäuschend, hätte ich doch bei einem Mix aus Dax und Dow deutlich mehr verdient. Nach oben war die Rendite generell nicht besonders stark. Als die Märkte dann jetzt nach unten gedreht haben, ist man allerdings genau so stark mit gefallen. Ich hatte mir vorgenommen, ein Jahr zu warten, bin jetzt aber nach gut 7 Monaten raus, da mich die Rendite und Portfoliogewichtung überhaupt nicht überzeugt haben.

    Antworten
  • Blackrock steigt beim Münchner Robo-Advisor Scalable Capital ein. Insgesamt 30 Millionen Euro soll das Startup in einer Serie-B-Finanzierung erhalten– eine hohe Summe für ein deutsches Fintech. Die Altinvestoren Holtzbrinck Ventures und Tengelmann beteiligen sich ebenfalls an der Runde. Die German Startups Group dagegen steigt aus und verkauft ihre Anteile mit Gewinn.
    Ob der Einstieg von Blackrock für Scalable ein Gewinn ist, wird die Zukunft zeigen.
    Der Ausstieg der German Startup Group ist wahrscheinlich clever, denn Scalable ist von der Profitabilität weit entfernt und Blackrock will seine 30 Mio auch mit einem Multiple oder zumindest mit einer guten Verzinsung zurück… – und wer zahlt das, natürlich auch der Scalable-Nutzer!
    Dann lieber gleich ETF oder aktiv gemanagte Fonds + Cashback…

    Antworten
  • Mässige Rendite in allen Risikostufen und die Trennung dauert recht lange. Wertstellung der Verkaufserlöse waren an einem Dienstag. Bis die anteilige Vermögensverwaltungsgebühr von 10-20€ berechnet wird und dann die rund 50T€ überwiesen werden soll könne es, so auf meine Anfrage, im Laufe der darauf folgenden Woche klappen.

    Antworten
  • Hallo Zusammen,

    ich bin gerade dabei mich zu informieren, wie ich mich in Zukunft Vermögensmäßig orientiere. Zur Wahl steht der klassische Vermögensverwalter (Sparkasse, Privat Banking) oder evtl. Scalable Capital. Wie sind die bisherigen Erfahrungen mit Scalable Captiel?
    VG,
    michele

    Antworten
  • Guten Abend, „Das Value-at-Risk-Konzept unterstellt (wie andere Prognosemethoden auch), dass sich Ereignisse in (naher) Zukunft verhalten werden wie sich die Ereignisse in der Vergangenheit verhalten haben. Diese Annahme ist vor allem dann falsch, wenn nach einer längeren ruhigen Phase eine Krisenphase entsteht.“ Ich finde es sehr schade, dass dem Kunden bei Scalable Capital eine angeblich höhere Sicherheit vorgegaukelt wird. Es gibt viele Studien die zeigen das prozyklische Investmentansätze nachweislich die Rendite schmälern. In Verbindung mit einer laufenden Gebühr von ca. 1 % bleibt ein erheblicher Anteil der potenziellen Rendite auf der Strecke. Ich würde es sehr begrüßen wenn der Anbieter auf die negativen Eigenschaften einer solchen Anlagestrategie aufmerksam machen würde.

    Ihr P.Niesen

    Antworten
  • Nachdem ich einige Enttäuschungen bei klassischen Vermögensverwaltern erlitten hatte, habe ich mich Ende letzten Jahres entschlossen, mal Fintech-Angebote zu testen. Da war erstmal die Qual der Wahl. Nicht-regulierte und nur als handaufhaltende Zwischenvermittler auftretende Anbieter, wie Cashboard, Ginmon oder Vaamo, kamen für mich nicht in Betracht. Daher blieben für mich quirion und Scalable Capital in übrig, die auf mich (nicht nur wegen ihrer BaFin-Lizenz) den besten Eindruck machten. Da beide recht unterschiedliche Anlagekonzepte verfolgen, teste ich zur Zeit beide mit moderaten Anlagesummen: quirion hält die Gewichte meiner Anlagen in Aktien, Anleihen usw. über die Zeit konstant, und Scalable Capital hält irgendwie das Risiko meiner Anlage konstant. Das Fazit bisher sieht, im Vergleich zum DAX, in beiden Fällen sehr gut aus: Seit Anfang Dezember hat die quirion-Anlage in der turbulenten Zeit „nur“ rund 4% verloren, während ich bei Scalable Capital minimal im Plus war. Das ist erstmal recht positiv. Mal sehen, wie es weiter geht.

    Antworten
    • Der Regulierungsunterschied ist eigentlich reine Augenwischerei. In allen Fällen liegt Ihr Depot bei einer Bank. Der einzige wirklich vorhanden Unterschied für den Kunden ist, dass die einen (Scalable z.b.) Transaktionen durchführen dürfen ohne Rücksprache mit dem Kunden zu halten. Die anderen (z.B. Ginmon, Cashboard) müssen für jede Transaktion die Erlaubnis des Kunden einholen. Ob das im Falle eines Startups jetzt ein Vor oder Nachteil ist muss jeder selbst entscheiden. Ich halte die umschichterei die das Konzept von Scalable zur Folge hat wie schon P. Niessen erwähnt hat ebenfalls für Problematisch.

      Antworten
  • Guten Tag, vorweg, ich bin selber kein Kunde bei Scalabe Capital, arbeite aber seit über 32 Jahren im Bereich der Vermögensverwaltung.

    Marketingtechnisch hat Scalable Capital sich in meinen Augen sehr gut positioniert. Ich bin mir sicher, dass viele insbesondere unwissende Kunden auf diese Marketingbombe eingehen. Risikomanagement bzw. der VaR Ansatz hat sich in der Praxis leider nicht als zielführend erwiesen. Wer Kurse nicht vorhersehen kann, kann auch kein Risiko vorhersehen. Wär es so einfach Risiko vorherzusagen würden es alle nach diesem Prinzip machen.

    Professionellen Vermögensverwaltungen auch die großen Robo Advisor aus den USA (Betterment & Wealthfront) arbeiten nach einem anderen Prinzip und nutzen die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Nobelpreisträger Eugene Fama und Harry Markowitz. Auch die beiden marktführenden Robo Advisor in Deutschland (Ginmon & Vaamo) arbeiten nach dem in der Vergangenheit bestätigten Erkenntnissen.

    Viele Grüße
    Roland

    Antworten
    • Die Schwächen der „Modernen Portfoliotheorie“von Markowitz aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts sind bereits seit langer Zeit bekannt. Unser Mitgründer Prof. Dr. Stefan Mittnik, der seit 3 Jahrzehnten auf dem Gebiet der Risikomessung forscht, hat dazu übrigens auch einen Blog-Artikel verfasst: https://de.scalable.capital/finanzmarktforschung/warum-die-moderne-portfoliotheorie-nicht-mehr-modern-ist/.

      Dass Risiken im Unterschied zu Renditen sinnvoll prognostizierbar sind, ist ein empirisch belegtes Phänomen. Mehr dazu hier: https://de.scalable.capital/empirisch-fundiertes-konzept/. Robert Engle erhielt für seine Arbeit zum Thema im Jahr 2003 übrigens den Nobel-Gedächtnispreis.

      Unserer Ansicht nach liegt der Grund für die Verwendung der „Modernen Portfoliotheorie“ – obwohl ihre Annahmen bekanntermaßen die Realität an den Finanzmärkten nicht treffend abbilden und zu massiven Fehleinschätzungen insb. in Bezug auf zu erwartende Verluste führen – vor allem im mangelnden Willen, finanzökonometrische Methoden einzusetzen. Monte-Carlo-Simulationen waren in der Vergangenheit schlichtweg zu teuer, um sie für die Optimierung von Privatkundenportfolios einzusetzen. Durch Cloud Computing hat sich das geändert. Wir sehen daher keinen Grund mehr, die empirischen Erkenntnisse der letzten 2 Jahrzehnte zu ignorieren und mit einer wissenschaftlich überholten Theorie zu arbeiten.

      Beste Grüße
      Das Scalable Capital-Team

      Antworten
  • Inzwischen hat sich Scalable bei mir gemeldet, und mir mehr Einsichten in deren Strategie gegeben. Auf der Homepage findet sich inzwischen ein Whitepaper. Zudem wird auf mein Kritikpunkt bzgl. des Ausstiegs aus Aktien in schwierigen Marktlagen kommentiert:
    „Es ist wichtig zu betonen, dass unser dynamisches Risikomanagement vorwärtsgerichtet und rein datenbasiert ist. Wir steigen also nicht aus Aktien aus, weil wir eine Meinung dazu haben, ob Kurse fallen oder steigen werden. Portfolioumschichtungen werden stattdessen dadurch ausgelöst, dass sich das Risiko bestimmter Anlageklassen ändert. Werden beispielsweise die Aktienmärkte weniger volatil – was sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten der Fall sein kann, auch wenn fallende Märkte üblicherweise von höherer Volatilität begleitet werden -, können wir einem Anleger mit einer gegebenen VaR-Kategorie einen höheren Aktienanteil ins Portfolio legen als in volatileren Märkten. Im Prinzip geht es also darum, den Anlegern einen größtmöglichen Anteil an renditestarken Anlageklassen zu geben, ohne dabei ihr individuelles Risikolimit zu verletzen. Wir nutzen Monte-Carlo-Simulationen, um auf Basis aktueller Daten zu einer Einschätzung zu kommen, welche Kombination aus den verschiedenen Anlageklassen die beste Rendite bei Einhaltung des jeweiligen Risikolimits erwirtschaften sollte. Natürlich kann man nie vermeiden, auch einmal Verluste zu realisieren oder in einem Marktaufschwung nicht ganz unten in der Talsohle gekauft zu haben – die Kapitalmarktanlage bringt Schwankungen mit sich, derer man sich bewusst sein muss. Uns ist es aber wichtig, den Kunden ganz klar das Risiko zu kommunizieren, das sie eingehen. Wenn traditionelle Begriffe wie “moderat” oder “konservativ” genutzt werden, ist der Kunde dagegen nicht darüber im Bilde, wieviel Geld er ggf. verlieren kann, was also z.B. der konkrete VaR seines Portfolios ist (und wie dieser im Zeitablauf schwankt, denn ohne dynamisches Risikomanagement können diese Schwankungen im Risikoprofil eines Fonds erheblich sein).
    Interessant ist auch die Beobachtung, dass Phasen hoher Volatilität in einer bestimmten Anlageklassen typischerweise mit unterdurchschnittlichen Renditen einhergehen, während Phasen niedriger Volatilität bessere Renditen erwirtschaften. Innerhalb einer gegebenen Anlageklasse gilt also das Prinzip “mehr Risiko, mehr Rendite” nicht unbedingt. Diesen Zusammenhang machen wir uns zu Nutze, indem wir die Portfolioallokation auf Basis von Risiko steuern, anstatt zu versuchen, konkrete Kursverläufe zu prognostizieren. Wir werden in den nächsten Tagen eine neue Rubrik zu unserer Website hinzufügen, die diese Zusammenhänge und den Effekt auf die risikoadjustierte Performance von Portfolios mit weiteren Daten erläutert.“

    euer Florian

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben