Vorabpauschale: Fondssteuer entfällt auch für 2022

Das Zinstief hat erneut Folgen für die Steuern von Fondssparern: Wie im vergangenen Jahr entfällt für 2022 die sogenannte Vorabpauschale, da hierfür der so genannte Basiszins ein entscheidender Faktor ist. Im Prinzip ist das eine gute Nachricht, allerdings muss das langfristig kein Vorteil sein.

Der Reihe nach: Auf Grund des seit 2018 geltende Investmentsteuergesetz  (InvStG ) gilt für thesaurierende Fonds (keine Ausschüttungen von Dividenden etc.): Es ist eine Mindeststeuer abzuführen, bezogen auf einen fiktiven Ertrag (Vorabpauschale). Die Vorabpauschale für 2022 gilt laut  § 18 Absatz 3 beim Anleger am ersten Werktag des folgenden Kalenderjahres als zugeflossen, also am 2. Januar 2023

So wird die Vorabpauschale berechnet

Die Vorabpauschale errechnet sich aus der Differenz zwischen dem so genannten Basisertrag des Fonds und dem ausgeschütteten Betrag. Die Berechnung erfolgt durch die depotführende Stelle. Der Basisertrag entspricht dem Rücknahmepreis des Fondsanteils zu Jahresbeginn multipliziert mit 70 Prozent eines Basiszinses, den die deutsche Bundesbank jedes Jahr berechnet und veröffentlicht.

Ein Rechenbeispiel:  Angenommen, der Basiszins läge bei 1 Prozent. Der für die Berechnung maßgebliche Satz wäre demnach 0,7 Prozent. Angenommen zudem, dass der Wert der Fondsanteile am Jahresanfang bei 100.000 Euro lag. Die Vorabpauschale wären dann 700 Euro. Je nach Fondstyp wird eine Teilfreistellung gewährt. Bei einem Aktienfonds wären zum Beispiel 30 Prozent steuerfrei – es würden also 490 Euro als Vorabpauschale angesetzt, für die die übliche Abgeltungssteuer zu zahlen ist.

Teilfreistellungen bei Fondsanteilen in Privatvermögen

Fondstyp Gewichtung Frei
Aktienfonds mehr als 50% in Aktien 30%
Mischfonds mehr als 25% in Aktien 15%
Immobilienfonds mehr als 50% in dt. Immobilien 60%
Immobilienfonds mehr als 50% in ausl. Immobilien 80%

Negativer Basiszins: keine Vorabpauschale, keine Fondssteuer

Das alles ist derzeit aber blanke Theorie, denn der Basiszins ist negativ. Das Bundesfinanzministerium hat dazu im Januar ein Schreiben herausgegeben (IV C 1 – S 1980-1/19/10038 :004):

Die Deutsche Bundesbank hat hierfür auf den 3. Januar 2022 anhand einen Wert von -0,05 Prozent für Bundeswertpapiere mit jährlicher Kuponzahlung und einer Restlaufzeit von 15 Jahren errechnet.

Auszug BMF-Schreiben: Keine Fondssteuer für 2022.

Die Folge des negativen Basiszinses: Es gibt keinen Basisertrag, also keine Vorabpauschale, also keine Fondssteuer.  Das galt bereits für 2021 (die Vorabpauschale wäre jetzt eingezogen worden), das gilt für 2022 (die Vorabpauschale wäre Anfang nächsten Jahres eingezogen worden).  Sollten die Zinsen nicht steigen, würde die Fondssteuer auch in den nächsten Jahren nicht anfallen – es sei denn, der Gesetzgeber ändert die Berechnungsformel.

Dass die Vorabsteuer entfällt, muss aber nicht für alle Fondssparer positiv sein, denn es handelt sich um eine vorweg genommene Besteuerung bisher unrealisierter Wertsteigerungen. Bei einem Verkauf der Fondsanteile wird sie daher auch vom tatsächlichen Veräußerungsgewinn abgezogen, so dass der zu versteuernde Betrag später geringer ausfällt. Wenn nun die jährliche Vorauszahlung entfällt, kann es sein, dass am Ende der zu versteuernde Betrag größer ausfällt und den Sparerpauschbetrag überschreitet. Dann wird es am Ende teurer, als wenn häppchenweise versteuert wird und der Sparerfreibetrag dafür ausreicht.

Fondssteuer nur dann, wenn Sparerfreibetrag überschritten

Die depotführende Stelle kann die Steuer auf die Vorabpauschale direkt vom Girokonto oder einem anderen Einlagenkonto des Anlegers einziehen, etwa dem Verrechnungskonto. Sollte das Konto keine Deckung aufweisen, darf die Bank für die Steuer auch den Dispokredit nutzen. Zumeist bedienen sich die Banken beim Verrechnungs­konto – teilweise werden aber auch Fondsanteile verkauft, wie Rentablo recherchiert hat.

Das lässt sich letztlich nur dann mit Gewissheit verhindern, indem ein Freistellungsauftrag erteilt wird (801 Euro (1 602 Euro für Ehepaare). Der Sparerfreibetrag kann auf mehrere Depots verteilt werden. Wer keinen Freistellungs­auftrag erteilt hat, obwohl sein Pausch­betrag nicht ausgeschöpft ist, kann zu viel gezahlte Steuer über die Steuererklärung zurückholen. Wurden Fondsanteile verkauft, dann können sie bei einem Fondsdiscounter wie Rentablo ohne Ausgabeaufschlag neu gekauft werden.

Vorabpauschale Fonds: Häufige Fragen der Vergangenheit

  • Was gilt, wenn Fondsanteile während des Jahres gekauft wurden? Bei unterjährigen Käufen errechnet sich die Vorabpauschale nur für die Monate im Kalenderjahr, in denen die Wertpapiere bis Jahresende im Bestand waren.
  • Was passiert beim Verkauf von Fondsanteilen? Die Abführung der Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale stellt eine Steuervorauszahlung dar, die beim Verkauf des Fonds mit der Steuerschuld verrechnet wird. Beim Verkauf wird konkret berechnet, wie hoch die Erträge tatsächlich ausfielen.
  • Wie werden Ausschüttungen berücksichtigt? Hat der Fonds Ausschüttungen vorgenommen, senkt das die Vorabpauschale unter Umständen bis auf null Euro. Negativ kann die Vorabpauschale jedoch nicht werden, selbst wenn der Fonds Wertverluste verzeichnet hat.
  • Was passiert bei geringer Fondsperformance? Die Vorabpauschale wird nur angesetzt, wenn sie geringer ist als der Wertzuwachs des Fonds innerhalb des Jahres. Hat der Fonds keinen Wertzuwachs erzielt, entstehen also für das Jahr ebenfalls weder Vorabpauschale noch Steuer.

Ein Kommentar

  • > allerdings muss das langfristig kein Vorteil sein

    Man wundert sich, was wohl dieses „langfristige“ Problem sein könnte, und findet dann etwas versteckt im Text:

    > Wenn nun die jährliche Vorauszahlung entfällt, kann es sein, dass am Ende der zu versteuernde Betrag größer ausfällt und den Sparerpauschbetrag überschreitet.

    Es ist ja erstmal kein Nachteil, wenn sich langfristig höhere Gewinne (durch den Zinseszinseffekt noch verstärkt) ansammeln (die man dann natürlich auch irgendwann versteuern muss, wobei sich die Steuergesetze bis dahin auch ändern können). Falls es um die Nutzung des Sparerpauschbetrags geht, hätte ich mir eher den Tipp erwartet, diesen durch ausschüttende ETFs zu verbrauchen oder durch die hier (https://blog.rentablo.de/abgeltungsteuer-sparen/) erst kürzlich diskutierte Strategie, Kursgewinne steuergünstig zu realisieren.

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