Nach Rentablo-Bericht: Fondssteuer entfällt in diesem Jahr

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Vor wenigen Tagen haben wir hier darüber informiert, was es mit der Vorabpauschale für Fonds und der daraus abgeleiteten Fondssteuer auf sich hat. Nach diesem Bericht gab es eine neue Erkenntnis: In diesem Jahr entfällt die Fondssteuer! Der Grund: das Zinsniveau. Vermutlich wird die Fondssteuer aus gleichem Grund auch in den nächsten Jahren entfallen – was aber später zu Problemen führen kann.

Auf Grund des seit 2018 geltende Investmentsteuergesetz gilt für Fonds, die keine oder nur in geringem Umfang Ausschüttungen vornehmen: Es ist generell eine Mindeststeuer abzuführen, bezogen auf einen fiktiven Ertrag (Vorabpauschale). Der gilt steuerlich mit dem ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen, also im Prinzip am 04.01.2021 in diesem Jahr.

So wird die Vorabpauschale berechnet

Die Vorabpauschale errechnet sich aus der Differenz zwischen dem so genannten Basisertrag des Fonds und dem ausgeschütteten Betrag. Die Berechnung erfolgt durch die depotführende Stelle. Der Basisertrag entspricht dem Rücknahmepreis des Fondsanteils zu Jahresbeginn 2020 multipliziert mit 70 Prozent eines Basiszinses, den die deutsche Bundesbank jedes Jahr berechnet und veröffentlicht.

Ein Rechenbeispiel:  Angenommen, der Basiszins lag bei 0,1 Prozent. Der für die Berechnung maßgebliche Satz wäre demnach 0,07 Prozent. Angenommen zudem, dass der Wert der Fondsanteile am Jahresanfang bei 100.000 Euro lag. Die Vorabpauschale wären dann 70 Euro. Je nach Fondstyp wird eine Teilfreistellung gewährt. Bei einem Aktienfonds wären zum Beispiel 30 Prozent steuerfrei – es würden also 49 Euro als Vorabpauschale angesetzt, für die die übliche Abgeltungssteuer zu zahlen ist.

Teilfreistellungen bei Fondsanteilen in Privatvermögen

  • Aktienfonds (mehr als 50% in Aktien) : 30%
  • Mischfonds (mehr als 25% in Aktien):  15%
  • Immobilienfonds (mehr als 50% in deutschen Immobilien): 60%
  • Immobilienfonds (mehr als 50% in ausländischen Immobilien): 80%

Negativer Basiszins: keine Vorabpauschale, keine Fondssteuer

Das alles ist derzeit aber blanke Theorie, denn der Basiszins ist negativ. Das Bundesfinanzministerium schreibt dazu (IV C 1 – S 1980-1/19/10038 :004):

Die Deutsche Bundesbank hat auf den 4. Januar 2021 anhand der Zinsstrukturdaten Seite 2 einen Wert von -0,45 Prozent für Bundeswertpapiere mit jährlicher Kuponzahlung und einer Restlaufzeit von 15 Jahren errechnet.

Die Folge des negativen Basiszinses: Es gibt keinen Basisertrag, keine Vorabpauschale, keine Fondssteuer.  Da Zinssteigerungen derzeit kaum in Sicht sind, dürfte demnach die Fondssteuer auch in den nächsten Jahren nicht anfallen – es sei denn, der Gesetzgeber ändert die Berechnungsformel.

Dass die Vorabsteuer entfällt, muss aber nicht für alle Fondssparer positiv sein, denn es handelt sich um eine vorweg genommene Besteuerung bisher unrealisierter Wertsteigerungen. Bei einem Verkauf der Fondsanteile wird sie daher auch
vom tatsächlichen Veräußerungsgewinn abgezogen, so dass der zu versteuernde Betrag später geringer ausfällt. Wenn nun die jährliche Vorauszahlung entfällt, kann es sein, dass am Ende der zu versteuernde Betrag größer ausfällt und den Sparerpauschbetrag überschreitet. Dann wird es am Ende teurer, als wenn häppchenweise versteuert wird und der Sparerfreibetrag dafür ausreicht.

Fonds-Ausschüttungen werden angerechnet

Noch mehr Wissen rund um die Vorabpauschale für Fonds, die derzeit nicht stattfindet:

  1. Fällt der Wertzuwachs des Fonds geringer aus als die errechnete Vorabpauschale (derzeit 0) , so wird der Wertzuwachs als Bemessungsgrundlage angesetzt, dies ebenfalls mit Teilfreistellung. Oder anders formuliert: Die Vorabpauschale wird nur angesetzt, wenn sie geringer ist als der Wertzuwachs des Fonds innerhalb des Jahres. Hat der Fonds keinen Wertzuwachs erzielt, entstehen also für das Jahr ebenfalls weder Vorabpauschale noch Steuern.
  2. Hat der Fonds Ausschüttungen vorgenommen, senkt das die Vorabpauschale unter Umständen bis auf null Euro. Negativ kann die Vorabpauschale jedoch nicht werden, selbst wenn der Fonds Wertverluste verzeichnet hat.
  3. Steuern werden von der depotführenden Stelle erst dann eingezogen, wenn der Sparerpauschbetrag von 801 Euro (1 602 Euro für Ehepaare) ausgeschöpft ist oder gar kein Freistellungsauftrag erteilt wurde. Der Sparerfreibetrag kann auf mehrere Depots verteilt werden. Wer keinen Freistellungs­auftrag erteilt hat, obwohl sein Pausch­betrag nicht ausgeschöpft ist, kann zu viel gezahlte Steuer über die Steuererklärung zurückholen.

Fondssteuer nur dann, wenn Sparerfreibetrag überschritten

Die depotführende Stelle kann die Steuer auf die Vorabpauschale direkt vom Girokonto oder einem anderen Einlagenkonto des Anlegers einziehen, etwa dem Verrechnungskonto. Sollte das Konto keine Deckung aufweisen, darf die Bank für die Steuer auch den Dispokredit nutzen. Die Augsburger Aktienbank etwa geht normalerweise so vor:

Falls der Kunde aufgrund fehlender Kontodeckung nicht belastet werden kann, wird in regelmäßigen Abständen versucht, eine erneute Belastung der Vorabpauschale vorzunehmen. Alle Kunden, bei denen die Belastung der Vorabpauschale nicht vorgenommen werden kann, werden wir an das Finanzamt melden.

Zumeist bedienen sich die Banken beim Verrechnungs­konto – teilweise werden aber auch Fondsanteile verkauft. Das lässt sich letztlich nur dann mit Gewissheit verhindern, indem ein Freistellungsauftrag erteilt wird. Wurden Fondsanteile verkauft, dann können sie bei einem Fondsdiscounter wie Rentablo ohne Ausgabeaufschlag neu gekauft werden.

Vorabpauschale Fonds: Zwei häufige Fragen der Vergangenheit

  • Was gilt, wenn Fondsanteile während des Jahres gekauft wurden? Bei unterjährigen Käufen errechnet sich die Vorabpauschale nur für die Monate im Kalenderjahr, in denen die Wertpapiere bis Jahresende im Bestand waren.
  • Was passiert beim Verkauf von Fondsanteilen? Die Abführung der Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale stellt eine Steuervorauszahlung dar, die beim Verkauf des Fonds mit der Steuerschuld verrechnet wird. Beim Verkauf wird konkret berechnet, wie hoch die Erträge tatsächlich ausfielen.

Ein Kommentar

  • Halleluja,

    gibt es auf dieser Welt noch ein anderes Land, welches einen vergleichbaren Aufwand betreibt, um an die Ersparnisse der Anleger zuzugreifen, um damit den Steuersäckel zu füllen??

    Antworten

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