Vaamo – ein Unternehmen aus Frankfurt am Main – wirbt mit transparentem und einfachem Vermögensaufbau. Hier zeige ich Vorteile und Nachteile des Angebots – nicht zuletzt, um mehr über die FinTech-Branche in Deutschland zu erfahren und auch für Aktienfreunde festzustellen, was der Kunde wirklich will und braucht.

Vaamo setzt wie die meisten Finanzdienstleister der nächsten Generation und Produktvermittler auf günstigere Fonds im Hintergrund, durch die sich Preiseinsparungen gegenüber der Direktanlage erzielen lassen. Vaamo geht dabei aber einen anderen Weg als seine Konkurrenten und hat sich nicht billige oder kostenlose ETFs mit niedrigen Gebühren geholt, sondern arbeitet mit Produkten von Dimensional Fund Advisors – einem aktiven Fondsmanager mit einem breiten Angebot an Fonds für Vermittler, nicht aber direkt für Privatanleger. Gut ist, dass die FIL Partnerbank, bei der die Depots angelegt werden, ihren Sitz in Deutschland hat und damit unserem Einlagensicherungsfonds unterstellt ist.

Positiv hervorzuheben ist der offene Blog und der Dialog mit den Kunden. Dabei macht das StartUp genaue Angaben zu den dahinter liegenden Fonds, der erwarteten Rendite und ihrer Gebührenstruktur. Nach einer ausgiebigen Einlesestunde wusste ich ziemlich genau, was mich erwartet, wenn ich bei Vaamo mein Geld anlegen würde. Allerdings habe ich nichts über den groß beworbenen, wissenschaftlichen Ansatz zur Gewichtung der fünf verschiedenen unterliegenden Fonds gefunden.

Je nach Investment wird das Risiko niedrig, mittel oder hoch eingestuft und dabei das Anlagekapital auf fünf Fonds verteilt. In dieser Tabelle habe ich die Fonds und ihre Anteile einmal aufgelistet. Dabei wird deutlich, warum die erwartete Rendite für die drei Risikoklassen so nahe beieinander liegt. Sie sollen nämlich zwischen 4% und 6% pro Jahr erwirtschaften. Da sich bei den Anleihen mittelfristig ohnehin nicht viel bewegt, sind die einzigen Renditebringer die Aktienanteile – durch das Balancing der Fonds entsteht dabei nur ein sehr geringer Unterschied zwischen den drei verschiedenen Risikodepots.

vaamo_Rendite_Fonds_Zusammensetzung_Vergleich

Schaut man sich die Fonds genauer an, wird deutlich, dass Index-ETFs, also nicht-gemanagte Fonds, die einen Index nachbilden, tatsächlich billiger und besser gewesen wären. In der nur sehr kurzen Historie der Fonds – sie sind alle ca. 2 Jahre alt – gab es keinen Fonds, der sein Benchmark, den MSCI Index, übertroffen hat. In der Tabelle ist erkennbar, dass eine eigene Gewichtung der gleichen Anteile in den MSCI ETF immer besser gewesen wäre, weil dann keine Gebühren gezahlt werden müssten.

Die beworbene maximale Streuung von Aktientiteln auf 15.000 verschiedene Wertpapiere ist in meinen Augen also kein Vorteil, sondern ein verwässernder Nachteil. Der Weltmarkt sollte Diversifikation genug sein. Dafür sind Vaamo und damit dem Anleger unnötige Gebühren von ca. 0,5% angefallen. Würde Vaamo direkt in ETFs anlegen, würde auf den Anleger nur die Servicegebühren zwischen 0,49 und 1,19% pro Jahr zukommen – die Gebühr für die Gewichtung der 5 Fonds.

Das Angebot ist relativ unkompliziert und ermöglicht es dem Anleger, ohne wirtschaftliches Hintergrundwissen eine Fondsmischung nach dem Risikoverhältnis zusammenzustellen; dafür ist der Preis der Servicegebühren annehmbar. Der auf der Webseite aufgestellte Gebührenvergleich hinkt aber, weil auch Hausbanken Fonds mit sehr geringem Ausgabeaufschlag im Portfolio haben – lediglich die Zusammenstellung der Fonds ist hier nicht inbegriffen. Ich würde das Angebot also definitiv einem Finanzberater vorziehen – wenn man sich nicht selbst um seine Geldanlage kümmern kann. Viel gehört meines Erachtens aber nicht dazu, ein bis zwei Fonds einzukaufen.

Einen kleinen Widerspruch, der mir noch aufgefallen ist, bildet die Strategie zur Haltedauer der Fondsanteile. Entgegen Vaamo, das wenig Wert darauf zu legen scheint, meint der Fondsanbieter, dass sich die Fonds nur dann lohnen, wenn langfristig investiert wird. Stattdessen führt Vaamo jährlich ein großes Rebalancing durch – kauft und verkauft also Fondsanteile, statt den Kunden einfach darauf sitzen zu lassen, wie er es gewünscht hat.

Zusammengefasst gefallen mir die Idee und das Angebot, wie bei allen Investment- und Geldanlage-FinTechs, endlich ein wenig mehr Transparenz in die Finanzberatung zu bringen. Ein Meilenstein ist Vaamo dabei aber leider (noch) nicht gelungen. Einem Anleger ohne Finanzwissen – der absolut keine Lust hat, sich ein paar Bücher zur Geldanlage durchzulesen – würde ich zähneknirschend immer noch eher empfehlen, zu Vaamo zu gehen, als zu irgendwelchen schwindligen Beratern. Besser als Nichts ist es also. Ich dagegen manage mein Geld dann doch lieber selbst – weil für mich ETFs nicht in Frage kommen. ETFs sind keine Sachwerte und mir nicht transparent genug.

euer Florian

Titelbild mit freundlicher Genehmigung von: vaamo Finanz AG