26 Jahre Bankgeschichte gehen zu Ende:  Die Comdirect als einer der Direktbank-Pioniere in Deutschland wird vom Markt verschwinden. Die Konzernmutter Commerzbank hat die restlichen Aktien aufgekauft und wird die Comdirect nun “integrieren”. 

Aber was bedeutet das für Depotbesitzer, die bei der Comdirect ihre Fondsanteile verwahren und via Rentablo Ausgabeaufschläge und Bestandsprovisionen sparen? Rentablo hat dazu recherchiert, was sich ändert und beantwortet die naheliegenden Fragen von Fondssparern mit Comdirect-Depot, einem bei uns besonders häufig gewähltem Partnerbank-Angebot.

Warum nimmt die Commerzbank die Comdirect überhaupt vom Markt?

Die Commerzbank hat die Comdirect 1994 gegründet, im beschaulichen Quickborn bei Hamburg, und einen kleinen Teil der Aktien im Jahr 2000 an die Börse gebracht. Seitdem wurde die Direktbank-Tochter (“Bank neu denken”) immer schöner, sprich erfolgreicher; die Mutter als klassische Filialbank (“Die Bank an Ihrer Seite”) kämpfte beständig mit Altersbeschwerden. Der Commerzbank-Vorstand will die Comdirect mit rund 2.7 Millionen Kunden nun wieder in das Privatkundengeschäft einbauen, mehr auf das Online-Banking setzen und langfristig so 150 Millionen Euro jährlich sparen, vor allem bei IT und Personal (Link ARD-Börse). 

Das alte und neue Finanzwelt zusammenwachsen, ist nicht so ungewöhnlich. So hat die Direktbank ING (früher ING Diba) jüngst angekündigt, in die Wertpapierberatung einsteigen zu wollen (Link zu Finanz-Szene.de). Der Versicherer Gothaer wiederum hat vor einiger Zeit seinen Direktversicherer Asstel aufgegeben und die Kunden zum Mutterkonzern geholt. Die Kunden hätten nun beides, hieß es: digitale Verwaltung, aber auf Wunsch auch persönliche Betreuung durch einen Vermittler.

Wann wird ein Comdirect-Kunde zum Commerzbank-Kunden?

Auf der letzten Hauptversammlung der Comdirect am 5. Mai wurde beschlossen, die Aktien der Minderheitsaktionäre der comdirect bank AG auf die Commerzbank AG gegen eine Barabfindung zu übertragen („Squeeze-out“) . Ein Verschmelzungsvertrag war laut Medienberichten bereits im März unterzeichnet worden.  

Wie der Vorstand der Comdirect den Kunden inzwischen mitgeteilt hat, werde die comdirect bank AG aber erst mit der Eintragung im Handelsregister als rechtlich eigenständiges Unternehmen erlöschen. “Wann es dazu kommt, hängt von mehreren Faktoren ab und steht zum jetzigen Zeitpunkt daher noch nicht fest”, heißt es in der Mitteilung. “Vorerst” werde sich für Kunden nichts ändern.

Theoretisch wäre aus unserer Sicht eine Handelsregister-Eintragung in wenigen Monaten möglich.

Ändert sich der Zugang zum Depot nach der Verschmelzung?

Auf Anfrage von Rentablo erklärte die Comdirect, dass sich voraussichtlich die nächsten zwei bis drei Jahre bei den Depots nichts ändern werde. Das würde bedeuten, dass Logins und Kontonummern zumindest so lange erhalten bleiben. Dass es irgendwann zu einer Zusammenlegung der Depotangebote kommt, ist indes sehr wahrscheinlich, schließlich sollen die Kostenersparnisse erzielt werden, indem alles auf ein IT-System vereinheitlicht wird. 

Ändern sich die Konditionen für das Depot wegen der Übernahme?

Der Vorstand der Comdirect hat dazu eine klare Aussage in seiner Kunden-Mitteilung gemacht: “Sowohl am Produkt- und Leistungsangebot als auch an den Konditionen von comdirect wird sich auch mit Eintragung im Handelsregister vorerst nichts ändern. Seien Sie versichert: Wir werden alles dafür tun, damit wir Sie auch weiterhin begeistern können.” 

Unklar ist allerdings, wie lange “vorerst” dauert.  

Wir halten es für realistisch, dass sich die nächsten zwei bis drei Jahre bei den Wertpapierdepots der Noch-Comdirect nichts ändert, auch nicht bei den Konditionen. Wenn sich die Konditionen ändern, müssen sie nicht unbedingt schlechter werden. Schon jetzt ähneln sich Comdirect und Commerzbank bei den Depot-Grundkosten

  • Ein Comdirect-Depot ist die ersten drei Jahre kostenlos, danach nur bei genug Aktivität. Sonst fallen 1,95 Euro  pro Monat an ( Bei Rentablo ist die Depotführung über die Comdirect generell kostenfrei).
  • Ein Commerzbank-Depot ist laut Webseite kostenlos ab einer Order pro Quartal. Sonst fallen 0,175% p.a. bzw. mindestens 4,95 Euro pro Quartal an.

Denkbar ist auch, dass als Folge der Verschmelzung mit einer deutlichen gestiegenen Kundenzahl die Endkundenkosten sogar geringer werden.

An den Konditionen von Rentablo ändert sich in keinem Fall etwas: Die Rabatte auf den Ausgabeaufschlag von bis zu 100 Prozent sowie das Kickback (50 oder 100 Prozent der an uns gezahlten Bestandsprovision) bleiben wie sie sind.

Diese Banken haben unsere Kunden gewählt:

Partnern-BankAnteil in %
Comdirect37
Ebase21
DAB BNP Paribas15
FFF10
Fondsdepotbank9
Augsburger Aktienbank5
DWS Investment2
Metzler1

Das Aus für die Comdirect: Was halten Sie von der Entscheidung der Commerzbank?

Schreiben Sie uns in den Kommentaren, was Sie davon halten, dass die Commerzbank die Comdirect übernimmt und vom Markt verschwinden lässt.