Gemeinschaftsdepot: Die Vorteile, die Nachteile

Wer Wertpapiere wie Fondsanteile kaufen will, braucht ein Wertpapierdepot. Mancher hat bereits ein Depot und will zu einem anderen Depot wechseln – etwa um von Fondsdiscount-Konditionen bei Rentablo profitieren zu können. Eine Frage, die immer wieder bei der Depoteröffnung auftaucht, vor allem bei (Ehe-)paaren: Soll ich ein Einzeldepot oder ein Gemeinschaftsdepot eröffnen? Wir erläutern Ihnen heute die Vorteile und Nachteile, insbesondere im Hinblick auf steuerliche Folgen.

Für eine schnelle Übersicht: die fünf wichtigsten Fakten zum Gemeinschaftsdepot im Video.

Einzeldepot vs. Gemeinschaftsdepot

Das Einzeldepot wird auf einen Namen geführt, das Gemeinschaftsdepot auf mehrere Namen. Beim Einzeldepot kann der Depotinhaber allein verfügen, das Vermögen aus den Wertpapieren wird vollständig ihm zugerechnet. Beim Gemeinschaftsdepot kommt es auf die Details an:

  1. Das Gemeinschaftsdepot kann als Und-Depot sowie als Oder-Depot geführt werden. Beim Und-Depots können nur alle Depotinhaber gemeinsam verfügen. Bei einem Oder-Depots ist es jedem Depotinhaber gestattet, alleine über das Depot zu verfügen, also zum Beispiel Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen.
  2. Bei einem Gemeinschaftsdepot gehört das Vermögen den Depotinhabern gemeinschaftlich. Per Gesetz wird davon ausgegangen, dass der Wert des Depots zu gleichen Teilen den Inhabern gehört. Das kann weitreichende steuerliche Folgen haben.

Ein Beispiel: Ein Anleger eröffnet für sich und seine neue Freundin ein Gemeinschaftsdepot und überträgt Wertpapiere für 100.000 Euro aus seinem bisherigen Einzeldepot. Das Finanzamt betrachtet das als eine Schenkung von 50.000 Euro an die neue Freundin.

Die Vorteile beim Gemeinschaftsdepot

  • Kosten: Mit einem Gemeinschaftsdepot lässt sich Geld sparen. Angenommen, der Anleger entscheidet sich für ein Depot mit laufenden Gebühren, so fallen bei einem Gemeinschaftsdepot diese Gebühren nur ein Mal an, während bei mehreren Einzeldepot jeweils die Gebühren zu tragen wären. Bei Transaktionen ist es ebenfalls günstiger, wenn in einem Gemeinschaftsdepot nur ein Mal Transaktionsgebühren anfallen anstatt mehrfach bei mehreren Depots.
  • Todesfall: Ein Gemeinschaftsdepot kann auch als Vorsorge für Notfälle oder den Todesfall sinnvoll sein. Der oder die weiteren Depotinhaber können das Depot unmittelbar nach dem Tod des bisherigen Einzelinhaber fortführen. Denkbar wäre das zum Beispiel für Erbengemeinschaften, die das Depot des Verstorbenen gemeinsam verwalten. So wird erstmal vermieden, dass vielleicht gut laufende Wertpapiere verkauft werden müssen, um das Erbe auszuzahlen.

[!]Ein Freistellungsauftrag beim Gemeinschaftsdepot? Es kommt darauf an…

Ein Freistellungsauftrag ist beim Gemeinschaftsdepot nur bei Eheleuten möglich.
Ein Freistellungs-auftrag ist beim Gemeinschafts- depot nur bei Eheleuten möglich.
  1. Variante: Die Depotinhaber des Gemeinschaftsdepots werden gemeinsam steuerlich veranlagt: Das ist üblich bei Ehepaaren. Sie können einen Freistellungsauftrag bis zur maximalen Höhe des Sparer-Pauschbetrags für Ehepaare erteilen (1.602 Euro).
  2. Variante: Die Depotinhaber des Gemeinschaftsdepots werden NICHT gemeinsam steuerlich veranlagt, etwa wenn der Vater und sein volljähriger Sohn als Depotinhaber eingetragen werden. Dann kann KEIN Freistellungs­auftrag bei der Depoteröffnung für das Gemeinschaftsdepot erteilt werden.

Ohne Freistellungsauftrag behält die depotführende Bank automatisch 25 Prozent der Kapitaleinkünfte ein (z.B. Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus Wertpapieren) und überweist sie als sogenannte Abgeltungssteuer an die Finanzbehörde. Allerdings ist die anteilige Freistellung von Kapitalertragsteuer später bei der Steuererklärung möglich (801 Euro Pauschbetrag für Alleinstehende, 1602 Euro jährlich für verheiratete Paare).

Die Nachteile beim Gemeinschaftsdepot

  • Verfügungen: Sofern es sich um ein Oder-Depot handelt, kann jeder Depotinhaber frei darüber verfügen. Das könnten dann auch Verfügungen sein, die dem oder den anderen Depotinhabern wenig Freude machen, etwa der Kauf von Wertpapieren, die sich als Rohrkrepierer erweisen. Handelt es sich um ein Und-Depot, ist wiederum stets das OK der anderen Depotinhaber notwendig, was Verfügungen erschwert und gerade, wenn es mal schnell gehen soll, ziemlich lästig sein kann.
  • Finanzamt: Immer dann, wenn einer der Depotinhaber mehr zum Vermögen beiträgt als der andere, droht steuerlich ein böses Erwachen. So wie im bereits geschilderten Fall, dass ein Anleger seine neue Freundin als Mit-Depotinhaberin aufnehmen, selber aber alle Wertpapiere mitbringt, und zwar im Wert von 100.000 Euro. Die Hälfte davon würde als Schenkung für die neue Freundin gewertet. Da in diesem Fall der Freibetrag für Schenkungs- und Erbschaftssteuer nur 20.000 Euro beträgt, könnte noch Jahre später eine Schenkungssteuer für den darüber hinausgehenden Betrag erhoben werden (auf 30.000 der 50.000 Euro).
Die Freibeträge bei Schenkung und Erbschaft hängen ab vom Verwandtschaftsverhältnis.
Die Freibeträge bei Schenkung und Erbschaft hängen ab vom Verhältnis zueinander.

Bei Ehe oder Verwandtschaftsverhältnis sind die Freibeträge deutlich höher. Für ein leibliches Kind sind es zum Beispiel 400.000 Euro. In Abständen von 10 Jahren können die Freibeträge der Schenkungsteuer erneut in Anspruch genommen werden (§ 14 ErbStG, „Berücksichtigung früherer Erwerbe“). Sehen Sie hier eine volle Übersicht über Freibeträge und Steuersätze bei Schenkung und Erbe.

Der Depotvertrag zum Gemeinschaftsdepot

Oft gibt es Streit unter Depotinhabern, wer welchen Anteil in das Gemeinschaftsdepot eingebracht hat und wem welcher Anteil gehört.

Um die gesetzliche Regelung zu durchbrechen, wonach das Depot jedem zu gleichen Teil gehört, kann ein Depotvertrag geschlossen werden. Darin wird festgelegt, welcher Anteil des Vermögens zu wessen Eigentum gehört und was z.B. bei Trennung oder Scheidung passieren soll.

Dieser Vertrag gilt aber nur zwischen den Depotinhabern als Privatpersonen, der Vertrag ist nicht bindend für die Bank, die unabhängig davon Verfügungen entsprechend der Wahl Und-Depot bzw. Oder-Depot ausführen kann.

Alternative zum Gemeinschaftsdepot: Vollmachten fürs Einzeldepot

Mit einer Vollmacht kann auch das Einzeldepot mehreren Personen zugänglich gemacht werden. Die Rechte sollten möglichst genau definiert werden.
Mit einer Vollmacht kann auch das Einzeldepot mehreren Personen zugänglich gemacht werden. Die Rechte sollten möglichst genau definiert werden.

Wer alleiniger Eigentümer des Vermögens in einem Depot bleiben will, aber anderen Verfügungsmöglichkeiten einräumen möchte, kann das mit einem Einzeldepot plus Vollmachten erreichen. Damit kann zum Beispiel der Sohn für Notfälle die Vollmacht erhalten, Wertpapiere zu kaufen oder zu verlaufen – er tut das immer “im Namen und auf Rechnung” des Depotinhabers und wird nicht selber Eigentümer.

Eine solche Vollmacht lässt sich recht einfach einrichten: Die Banken haben dafür in der Regel Vordrucke für „Konto-/Depotvollmacht“. Eine Filialbank kontrolliert die Identität des Bevollmächtigten anhand seines Ausweises. Bei Direktbanken ohne Filialen läuft die Identitätsfeststellung per „Post-Ident-Verfahren“.

Wichtig dabei: Die Bank prüft nicht, ob ein Bevollmächtigter tatsächlich nur in Notfällen Aufträge erteilt, wenn vereinbart war. Aufgrund des Missbrauchsrisikos sollten nur absolut vertrauenswürdige Personen bevollmächtigt werden.

 

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