Inflation und Zinswende: Was das für (Fonds-)Sparer bedeuten würde

Das Gespenst der Inflation ist wieder da, damit verbunden die Sorge vor einer Zinswende. Wie würde sich eine solche Zinswende für (Fonds-)sparer auswirken? Wir geben einen Überblick.

Erst war es nur ein Zitat, das die Kapitalmärkte aufschreckte, gewiss auch viele Fondssparer. US-Finanzministerin Janet Yellen sagte, es könne sein, dass die Leitzinsen etwas steigen müssten, um eine Überhitzung der US-Wirtschaft zu vermeiden. Die Worte von Janet Yellen haben Gewicht – immerhin war sie bis 2018 Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Kurz darauf schwächte sie die Aussage ab. Dann aber kamen harte Fakten: Im April ist die US-Inflationsrate auf 4,2 Prozent gestiegen, berichtete das US-Arbeitsministerium in dieser Woche – die höchste Inflationsrate seit dreizehn Jahren. In Deutschland ist die Inflationsrate derweil auf zwei Prozent gestiegen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann rechnet in der zweiten Jahreshälfte 2021 in Deutschland mit Inflationsraten sogar von bis zu drei Prozent, berichtet das „Handelsblatt“.

Weltweit gaben die Aktienkurse in den vergangenen Tagen nach. Warum ist das so? Es könnte sein, dass Notenbanken wegen steigender Inflation gezwungen werden, die Leitzinsen anzuheben. Das wäre dann eine Zinswende. Für Anleger kann das positive wie negative Folgen haben.

Die Nachrichten zur Inflation bestimmten zuletzt die Wirtschaftsnachrichten. Screenshot: Google News

Der Aktien-Investor /der Aktienfonds-Sparer

Steigende Zinsen sind Gift für Aktien, so die Lehrmeinung. Die Gründe dafür sind naheliegend: Einerseits werden Anleihen zum Nachteil von Aktien wieder attraktiver, wenn ihre Zinscoupons klar über der Dividendenrendite von Aktien liegen. Andererseits belasten höhere Kapitalkosten (Zinsen für Kredite oder Unternehmensanleihen) die Unternehmensgewinne. Hinzu kommt regelmäßige eine geringere Konsumneigung bei Privathaushalten, was ebenfalls die Unternehmensgewinne drückt.

Allerdings muss blindes Vertrauen auf die Lehrmeinung keineswegs erfolgreich sein: Neben den harten Fakten spielt stets die Psychologie eine Rolle. Herrschte konjunktureller und politischer Optimismus, profitierten in der Vergangenheit oft genug Aktien und damit auch Aktienfonds trotz steigender Zinsen. Außerdem kommt es auf die Branche an: Zinswenden führen meist zu Umschichtungen in weniger konjunktursensible Aktien, also etwa in Nahrungsmittel-Titel. Gegessen wird schließlich immer.

Wer an eine schnell anziehende Inflation glaubt, der ist ohnehin bei Aktien und Aktienfonds richtig: Es handelt sich um eine Investition in Sachwerte, nicht in Geldscheine.

Der Zins-Investor/ der Rentenfonds-Sparer

Steigt das Zinsniveau, dann sitzt der Käufer von langlaufenden Anleihen möglicherweise jahrelang auf unterdurchschnittlichen Zinsen. Kursverluste während der Laufzeit kommen hinzu, die nur dann keine Bedeutung haben, wenn die Anleihe bis zum Ende gehalten wird. Dann erfolgt – Bonität vorausgesetzt – die Rückzahlung zu 100 Prozent. Wer indes zu bestimmten Terminen liquide sein muss,  sollte den Kursverlauf beobachten. Auch die Kurse von Rentenfonds können somit heruntergezogen werden, wenn eine Zinswende kommt und das Zinsniveau schnell steigt.

Renten-Papiere mit kurzen Laufzeiten von bis zu drei Jahren reagieren weit weniger empfindlich auf Zinserhöhungen.  Kurzläufer-Rentenfonds oder Geldmarktfonds verzeichnen in der Regel nur Ausschläge und wären die ersten, die von einer nachhaltigen Zinswende profitieren würden. Kurzläufer-Rentenfonds oder Geldmarktfonds hatten wir bereits als Alternative zu Negativzinsen bei Banken vorgestellt.

Die Inflation in Deutschland: Seit Mitte der 90er kaum der Rede wert. In diesem Jahr könnten es aber bis zu drei Prozent werden.
Die Inflation in Deutschland: Seit Mitte der 90er kaum der Rede wert. In diesem Jahr könnten es aber bis zu drei Prozent werden.

Devisen

Steigt in einer Wirtschaftszone das Zinsniveau, profitiert davon normalerweise die Währung dieser Wirtschaftszone. In den vergangenen Tagen hat deshalb der US-Dollar gegenüber Euro und anderen wichtigen Währungen wegen der Debatte um eine Zinswende zugelegt. Das hat damit zu tun, dass ein höheres Zinsniveau normalerweise Zinsinvestitionen anlockt und damit das Interesse an einer Währung steigt. Wer in weltweit anlegende Fonds investiert, sollte sich klarmachen, dass das nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Investiert der Fonds einen Großteil des Geldes in US-Aktien, die in US-Dollar gehandelt werden, erhöht der Anstieg des US-Dollar auch den Fondswert in Euro.

Der Devisen-Effekt ist zugleich der Grund, warum die Europäische Zentralbank (EZB) nicht lange zusehen könnte, wenn die US-Fed deutlich die Zinsen anheben würde. Es würde dann Geld aus der Euro-Zone abfließen, was den Euro schwächt. Das ist einerseits ein Vorteil für Exporte (sie werden billiger), andererseits ein Nachteil für Importe (sie werden teurer). Höhere Importpreise könnten wiederum die Inflation im Euroraum befeuern.

Kredite

Mit steigenden Zinsen werden Kredite teurer. Das könnte Folgen haben für Unternehmen (siehe oben), für den privaten Konsum (Autokauf auf Pump wird teurer) sowie den Immobilienmarkt. Die von sehr billigem Geld getriebene Nachfrage nach Immobilien könnte erlahmen. Im Süden von Europa, wo immer noch zahlreiche Baufinanzierungen mit variablen Zinsen abgeschlossen werden, könnten vermehrt Eigenheim-Besitzer in finanzielle Schwierigkeiten geraten. In Spanien beträgt die Eigenheim-Quote zum Beispiel 85 Prozent bei einem hohen Anteil von Baufinanzierungen mit variablen Zinsen.

Gut zu wissen für Immobilien-Finanzierer in Deutschland: Wenn z.B. in zwei oder drei Jahren Geld benötigt wird, weil dann die alte Finanzierung ausläuft, kann sich das noch günstige Zinsniveau  mit einem Forward-Darlehen sichern. Mit einem Forward-Darlehen können Zinsen, Monatsrate und sonstige Konditionen bis zu fünf Jahre im Voraus verbindlich festgelegt werden. Dafür ist ein Aufschlag zu zahlen. Die genaue Höhe hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit bis zum Ende der Zinsbindung noch überbrückt werden muss.

Aber: Steigt die Inflation wirklich beständig?

Bislang gibt es einige Ökonomen, die nur von einem vorübergehenden Anstieg der Inflation ausgehen, da es etwa wegen des Corona-Lockdowns zu Lieferketten-Problemen kommt und einige wenige Waren wie Bauholz oder Nahrungsmittel deutlich teurer geworden sind. Sieht man sich die Aufteilung des Warenkorbs für die Inflationsmessung (Verbraucherpreise) des Statistischen Bundesamtes an, so fällt auf: Die Verteuerung war und ist in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich gewesen. Manches wurde auch günstiger.

Inflation_Kraftstoff
Inflation-Tabak
Inflation_Gas
Inflation_Telekomm
Inflation_Elektro
Inflation-Heinzoel

Die Zahlen des Statistischen Bundesamt zeigen: Je nach Ware (gelbe Linie) gab es ganz unterschiedliche Preisentwicklungen.

Typisches Merkmal einer anhaltenden Inflation ist hingegen, wenn in einer Boomphase der Wirtschaft Arbeitskräfte knapp werden und deutlich besser bezahlt werden müssen.

Unser Fazit:

Solange die Inflation steigt (und in der Folge das Zinsniveau), weil die Wirtschaft läuft, so ist das noch kein Grund zur Sorge. Es wäre eher eine gewisse Rückkehr zur Normalität, in der die Alternativlosigkeit von Aktien und Immobilien beendet wird. Das würde dazu führen, dass Kurse und Preise nicht weiter ungebremst steigen. Der Grund für einen Einbruch wäre das noch lange nicht.  Wenn hingegen die Wirtschaftsaufbau-Programme nicht funktionieren, Steuer-Einnahmenverluste der Staaten durch Steuererhöhungen kompensiert werden und so die Preise erhöhen sowie gleichzeitig die Nachfrage abwürgen, könnte dies zu einem unangenehmen Inflationsszenario werden.  Allerdings ist das dann gerade die Stunde von Investmentfonds, mit denen ein Anleger gezielt aber zugleich diversifiziert in die Regionen der Welt investieren kann,  wo es besser läuft.

Was meinen Sie: Kommt eine große Inflation?

Schreiben Sie uns ihre Meinung in den Kommentaren.

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