Kursmuster verstehen: Was Aktienkurse mit Regelungstechnik zu tun haben

Kursmuster verstehen

Börsenkurse folgen oft speziellen Mustern. Dies gilt im Besonderen nach starken Einbrüchen oder nach Kurssprüngen. Versteht man die Kursmuster, ergeben sich hieraus oft günstige Kaufgelegenheiten. Aber welche psychologischen Mechanismen führen zu den beobachteten Kursmustern?

Ich bin eigentlich kein Freund der technischen Kursanalyse. In vielen Fällen gleichen die abgeleiteten Vorhersagen moderner Kaffeesatzleserei. Trotzdem gibt es einige fundamentale, psychologisch oder physikalisch untermauerte Kursbildungs-Mechanismen, die man sich zu Nutze machen kann.

 

Überschwinger: zu starke Kursausschläge nutzen

Anleger sind emotional – warum, haben wir in diesem Artikel diskutiert. Bei schlechten Nachrichten führt dies dann oft zu starken Kurseinbrüchen. Das Gleiche gilt bei sehr guten Nachrichten. Anleger werden dann euphorisch und übertreiben bei den Kurssteigerungen.

In beiden Fällen gilt: der fundamentale Wert des Unternehmens hat sich durch die Nachricht geändert. Die Marktteilnehmer (also Sie als Anleger) müssen sich jetzt auf einen neuen fundamentalen Wert einigen.
Technisch gesehen findet im Markt also ein Regelungsmechanismus statt. Die gute oder schlechte Nachricht treibt den Kurs sehr schnell in eine Richtung. Durch die schiere Menge der Marktteilnehmer stoppt der Trend jedoch nicht an dem Wert, der nun als gerechtfertigt angesehen wird. Sondern er schießt darüber hinaus. Was dann passiert, ist klassische Regelungstechnik. Es gibt eine Gegenbewegung derer, die den Wert jetzt für unterbewertet halten. Auch diese Gegenbewegung wird über das Ziel hinausschießen, allerdings nicht mehr so stark. Nach einigen Schwingungen hat sich dann ein neuer Preis eingependelt. Dies ist ähnlich einem Auto, das mit hoher Geschwindigkeit ins Schlingern kommt. Der Fahrer wird durch gegengesetzte Lenkmanöver versuchen, wieder in die Spur zu kommen.

Als Anleger können Sie diesen Mechanismus nutzen, indem Sie kurz nach starken Einbrüchen kaufen. Oder nach Kurssprüngen erst einmal die Finger von der Aktie lassen.

 

Kursschwankung PinDuoDuo

PinDuoDuo (US7223041028): Überschwinger, gefolgt von einer Bodenbildung

 

Bodenbildung: es baut sich Vertrauen auf

Nach der kurzen Phase hoher Volatilität (den Überschwingern) folgt oft eine Phase mit relativ stabilen Kursen. Im Prinzip ist es einfach so, dass die Marktteilnehmer sich auf einen neuen fairen Wert geeinigt haben. Und solange es keine wesentlichen Veränderungen oder Nachrichten gibt, sehen sie keinen Anlass, den Preis zu verändern. Eine Bodenbildung ist somit ein Indiz, dass die Preissuche abgeschlossen ist.

Als konservativer Anleger sagt Ihnen die Bodenbildung, dass Sie allmählich wieder ohne allzu großes Risiko investieren können.

 

Trendfolge: Massenpsychologie für sich nutzen

Der letzte hier besprochene Kursbildungs-Mechanismus sind längerfristige Trends. Diese unterscheiden sich von den zuvor besprochenen Mustern dadurch, dass die Aktie über eine längere Zeit steigt oder fällt, ohne dabei stark zu schwanken. Solche längerfristigen Trends sind oft fundamental untermauert. Sprich: der Umsatz des Unternehmens wächst oder sinkt kontinuierlich.Langfristiger Aufwärtstrend Alphabet

 

Der langfristige Aufwärtstrend bei Alphabet (US02079K3059) ist untermauert durch kontinuierliches Umsatzwachstum.

 

Oder aber der Trend basiert auf einem psychologischen Selbstverstärkung-Mechanismus der Form “wenn alle investieren muss das eine super Sache sein”.

In beiden Fällen können sich Investoren den Trend zunutze machen und “die Welle reiten”. Sollte der langfristige Kursanstieg weniger fundamental und eher psychologisch getrieben sein, so muss allerdings Disziplin gewahrt werden. Gewinne sollten zeitnah mitgenommen werden, und vor einem Einsteig sollten Investoren abwägen, ob sich die Aktie nicht doch schon zu weit von ihrem fundamentalen Wert entfernt hat.

Eine extreme Form der Trendfolge sind übrigens Blasen. Schon Warren Buffet sagte “ich liebe Blasen”, lassen sich hier doch sehr hohe Gewinne erzielen. Blasen entstehen dann, wenn sehr viele Investoren einem Trend folgen. Neue Investoren sehen dies wiederum als Bestätigung für den Trend und befeuern den Kurs weiter mit frischem Geld. Die sich ausbildende Formation ist eine Phase exponentieller Steigerung gefolgt von einem starken Einbruch. Die exponentielle Steigerung wird ausgelöst durch die starke Aufmerksamkeit, die der Wert erfährt, gefolgt von starken Mittelzuflüssen. Spätestens in dieser Phase sollten disziplinierte Anleger aussteigen.

Blasenbildung Bitcoin

Langfristiger Trend mit Blasenbildung am Beispiel des Bitcoin

 

 

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