Bergfürst trat vor ca. einem Jahr mit der Mission an, auch Privatanlegern Investitionen in interessante und schnell wachsende Startups sowie in große Immobilienprojekte zu ermöglichen. Hierzu arbeitet Bergfürst als Broker, bei dem das Startup Anteile emittiert, die anschließend frei gehandelt werden können.

Anmerkung der Redaktion: Auf Bitte von Bergfürst möchten wir darauf hinweisen, dass Bergfürst sich aus dem Neugeschäft mit Startups zurückgezogen hat. Der neue Fokus liegt auf dem Immobiliengeschäft.

Normalerweise steht die Möglichkeit zur Beteiligung an Startups nur Inkubatoren (Firmen die in junge Unternehmen investieren) und Business Angels mit viel Kapital zur Verfügung. Das FinTech Startup Bergfürst eröffnet Privatanlegern seit ca. einem Jahr die Möglichkeit, sich auch mit kleinen bis sehr kleinen Beträgen an Startups zu beteiligen. Vor kurzem kam die Möglichkeit zur Beteiligung an Immobilien hinzu.
Beides sind neue, durchaus interessante Konzepte. Die Anteile an Firmen oder Immobilien können auf der von Bergfürst betriebenen Handelsplattform frei gehandelt werden. Aus Neugier habe ich mich Mitte letzten Jahres mit einem kleinen Betrag an Urbanara, dem momentan einzigen bei Bergfürst gelisteten Startup, beteiligt. Hier meine Erfahrungen.

Mangelnde Liquidität verhindert den Handel von Anteilen

Es gibt gute Gründe, warum Kleinanleger nicht ohne Weiteres in Startups investieren dürfen. Zum einen ist dies das sehr hohe Insolvenzrisiko. Auch bei Urbanara, dem einzigen gelisteten Unternehmen, hängt die Existenz von erfolgreichen Finanzierungsrunden im 6-Monats Takt ab. Mit jeder Finanzierungsrunde werden allerdings die Anteile verwässert, weshalb man sich darauf gefasst machen muss, ständig Geld nachzuschießen. Einen Handel von Bezugsrechten als Kompensation wird es mangels Käufern sicher nicht geben. Diese Risiken werden von Bergfürst nur unzureichend beschrieben, hier ist mehr Transparenz dringend erforderlich!

Ein echter Killer ist allerdings die fehlende Liquidität. Bergfürst hat es nicht geschafft, weitere Unternehmen für Neuemissionen zu begeistern. Als Resultat sind nur wenige Anleger auf Bergfürst und es findet kaum Handel statt. So versuche ich meine wenigen Anteile bereits seit Wochen (sogar unter dem von Bergfürst angegebenen Kurs) zu verkaufen – leider ohne Erfolg. Und sollte mit Bergfürst die Handelsplattform selbst in Insolvenz gehen, können die Anteile gar nicht mehr verkauft werden. Und so freunde ich mich langsam aber sicher mit dem Gedanken des Totalverlustes an.

Gezielte Falschinformation bei der Beteiligung an Immobilien

Während die Beteiligung am Startup Urbanara immerhin noch eine geringe Chance auf Kursgewinne bietet, kann ich vor einer Investition in Immobilien über Bergfürst nur ausdrücklich warnen. Die Seite suggeriert den Eindruck, dass man einen Anteil an einer Immobilie erwirbt, es wird sogar ein Exposé angeboten. Dies ist leider schlichtweg falsch.

Tatsächlich erwirbt man einen von einem Family Office ausgegebenen Genussschein (eine gesetzlich nicht geregelte Anleihe). Um dies überhaupt erst zu erfahren muss man leider tief ins Kleingedruckte. Transparenz geht anders!
Misstrauisch stimmen sollte schon die Tatsache, dass der Genussschein nur mit einer zweitrangigen Grundschuld hinterlegt ist. Im Zweifel ist diese wertlos, meist kommt bei einer Pleite nur der Halter der erstrangigen Grundschuld zum Zuge.

Aber es kommt noch dicker. Wie gesagt suggeriert Bergfürst dem Anleger mit allen Mitteln, man investiere in das Middendorf Haus in Hamburg. Aber nur 10% der angestrebten Emission von 1 Millionen EUR fließen tatsächlich ins Middendorf Haus. Der Rest wird der nicht näher beschriebenen “FAH Gesellschaft für Städtebauförderung mbH” für weitere Immobilienprojekte zur Verfügung gestellt (siehe Zitat). Kein Wunder also, dass Bergfürst den Wertpapierprospekt nach Ende der Zeichnungsfrist mal eben flugs von der Seite gelöscht hat – da könnte ja jemand merken, dass er abgezockt wird!

Zitat:
>> Das mittels Genussschein eingeworbene Kapital wird die FAH Grundbesitz GmbH & Co. KG als Eigentümerin des Middendorf Hauses in Höhe von EUR 100.000 zu einer teilweisen Tilgung des EURIBOR-Darlehens der erstrangig finanzierenden Hamburger Sparkasse verwenden und bis zu EUR 1.000.000 der FAH Gesellschaft für Städtebauförderung mbH darlehensweise zur Verfügung stellen. Die FAH Gesellschaft für Städtebauförderung ist durch die Gesellschafter des Emittenten gegründet worden und wird die Darlehensmittel für weitere Immobilienprojekte verwenden. <<

Interessierten Anlegern kann ich also nur raten, auf die nächste Neuemission an einer regulären Börse zu warten oder in echtes Betongold zu investieren. Lasst von Bergfürst bitte die Finger, das Unternehmen ist schlichtweg unseriös.

Euer Wolfram

Foto von Flickr-Nutzer Alex Healing unter CC-Lizenz. Keine Änderungen vorgenommen.

Dieser Artikel spiegelt die Meinung des Autors wieder. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen. Mehr im Haftungsausschluss.